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Die Akustik / Ernst Florens Friedrich Chladni
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263
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Tauben oder Schwerhörenden von Nutzen seyn kann, so halte ich nicht für übcrfiüßig, einigesdaraus |u erwähnen. Joriffens Vater, ein Kaufmann in Wesel , ward im aasten Jahre schwer.'hörend, die Taubheit nahm immer zu, ohngeachtet aller Bemühungen der Aerzte. HLrröhrewaren von wenig Nutzen. Er fand, daß er die Töne eines Claviers durch ebnen an den Resonanz.'bodcu gestemmten und zwischen den Zähnen gehaltenen thönernen Tobakspfeifenstiel vernehmenkonnte, (auf welche Art ich auch durch Stäbchen von andern Materien, zweyen Personen, diefast taub waren, die leisesten Töne meines Euphons vernehmlich gemacht habe). Hierauf wollteer auch versuchen, ob er nicht vermittelst der Zahne auch Worte vernehmen könnte. Ein Sprach,röhr ward von ihm mit der engen Oeffnung an die obern Zähne gehalten, ein anderer redete in dieweite Oeffnung hinein, er hörte aber nichts. Ward aber in die enge Oeffnung, wie gewöhnlich,hineingcsprochen, und die Zähne von ihm an die weite Oeffnung gehalten,, so vernahm er alleWorte. Hierauf fand er, daß mit mehrerer Bequemlichkeit eine thönerne Tobaks-Pfeife zudieser Absicht gebraucht werden konnte. Er verlangte nebst Andern zu wissen, in welcher Entfer-nung er auf solche Art die Reden Anderer vernehmen könnte, es ward also mit hölzernen Stäben6 Fuß lang, i Zoll breit, und einen Messerrücken dick versucht, durch welche er alles deutlich hörte.Es wurden Versuche angestellt mit mehreren dergleichen Stäben, die auf eine beträchtliche Weitemit einander verbunden waren, so daß von einem Ende zum andern ein vollkommen Hörendereinen schwach redenden aus die gewöhnliche Art kaum verstehen konnte, aber auch auf diese Arthörcte er alles. In der Folge wurden noch mehrere Versuche angestellt. Wenn vermittelst einesTrichters vonEisenvlech, oder auch ohne denselben in den Mund gesprochen ward, hörete er nichts.-Wenn er den Stab fest zwischen den Zähnen, oder zwischen den Lippen, ober mit den Händenhielt, hörte er weniger, als wenn der Stab nur locker an die obern Zahne angestemmt ward.-Bey einer Anstemmung desselben an die untern Zahne hörte er nichts. (Mir schien bey einigenangestellten Versuchen die Mittheilung des Schalles vermittelst der untern Zähne nur etwas schwa-cher zu seyn, als! vermittelst der obern , unstreitig deswegen weil die obern Zähne mit den Gehör»'Werkzeugen durch einen ununterbrochenen Zusammenhang von Knochen, die untern aber vermit-telst des Kinnbackengclenkes damit in Verbindung stehen.) Er ließ jemanden in ein gewöhnlichesTrinkglas, das er an die obern Zähne stemmte , schwach hineinreden, ohne daß dieser das Glasberührte, und auch so hörte er alles deutlich; so auch wenn er den untern Theil des Glases fest imMunde hielt, und der Redende es mit den Zähnen berührte. Conische Weingläser mit dergleichenFüßen fand er weniger brauchbar, (so wie ich auch bey dergleichen Versuchen bemerkt habe, daßüberhaupr*Gesaße, die etwas dünn und -nicht allzu klein sind, und also mit Leichtigkeit vielerlei)Arten von Bebung annehmen können, sich zn dieser Absicht am besten schicken). Die Zahne, de.'ren er sich hierzu bedienen wollte, mußten fest seyn;- durch lockere hörte er weniger dcutlich.

3- H. Winkler hat in der vorher angcf. Dissi die Schrift von Jorissen ausgezogen, undeinige Versuche hinzugefügt. Er hörte den Schlag einer Taschenuhr durch einen an dieselbe undan die Zahne gestemmten viereckigen Stab von Lindenholz ; Linien breit und 7 Pariser Fuß langbey verstopften Ohren, wo er bey offenen Ohren in derselben Entfernung- ohne den Stab nichtshören konnte. Der Schall, war durch den Stab so deutlich und stark, als ob er an dessen Endewäre hervorgebracht worden. (Ebendieses bemerkte ich auch; die Empfindung ist fast, als ob derSchall aus dem Stäbe selbst-käme). Ebenso hörte er auch, wenn das Ende des Stabes in ein