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Die Wunder des Himmels oder gemeinfassliche Darstellung des Weltsystems / von J. J. von Littrow
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516
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Eigenschaften der Körper.

§> 7 .

eine hohle Kugelschaale, die je nach der Dicke ihrer einzelnen Stellenauch in verschiedenen Farben spielt. Kurz vor ihrem Platzen zeigt sichauf dem höchsten Theile derselben ein schwarzgrauer Punkt, und dort istdie Dicke der Blase, nach Newton's Rechnungen, noch nicht der zweiund ein halb Millionste Theil eines Zolls. Die durchsichtigen Flügelmancher Insekten sind so dünn, daß 5VVVV derselben übereinander gelegt,noch nicht die Dicke des vierten Theils eines Zolls betragen würden. Inunseren vergoldeten Silberfäden ist das sie ringsum bedeckende Gold soausgedehnt, daß dasselbe bei einem Draht von einem Fuß Länge nochnicht den I */r Millionsten Theil eines Lothes wiegt. Ein Zoll diesesSilberdrahtö würde also nur den >8 Millionsten und der noch immergut sichtbare hundertste Theil dieses Zolles würde den 1800 MillionstenTheil von einem Lothe Goldes enthalten. Dasselbe Stück, durch ein Mi-kroscop mit einer SüOmaligen Vergrößerung betrachtet, würde 5ü0mallänger und also auf diesem Silberfaden das ihn bedeckende Gold inSVVÜOV Millionen Theile getheilt erscheinen, deren jeder noch alle die Ei-genschaften dieses Metalls hat, seine Farbe, seine Dichte, seine frühereVerwandtschaft zu den chemischen Agentien u. s. w.

Noch viel weiter scheint diese Theilbarkeit bei den organischen Kör-pern zu gehen. Unser Blut z. B. ist nicht eine gleichmäßige rothe Flüs-sigkeit, sondern es besteht aus kleinen rothen Kügelchen, die in einertransparenten Flüssigkeit, dem Serum, schwimmen. Vei den Säugthie-ren sind diese Kügelchen vollkommen rund, bei Vögeln und Fischen aberelliptisch. In dem Blute der Menschen beträgt der Durchmesser dieserKügelchen nur den 4N00sten Theil eines Zolls, woraus folgt, daß ineinem solchen Blutstropfen, der an der Spitze der feinsten Nadel hän-gen bleibt, wenigstens eine Million solcher Kügelchen enthalten seyn muß.

Und doch haben uns die Mikroscope schon Thiere gezeigt, die nochkleiner sind, als diese Kügelchen, von denen Millionen auf einander ge-häuft noch keinem Sandkorn gleichen und die zu Tausenden mit Einsdurch die feinste Oeffnung einer Nadel schwimmen; und doch hat je-des derselben seine Glieder und Eingeweide, seine Sinne und seinen In-stinkt, und, wie man aus ihren Bewegungen sieht, auch seinen freienWillen. Aus welchen feinen Theilen muß der Organismus dieser Wesenzusammengesetzt seyn! Müssen sie nickt auch ein Herz, Arterien undVenen, Muskeln nnd Nerven haben, und von welcher Größe sollen wirdieselben annehmen? Wenn die Kügelchen ihres Blutes zu den unserendasselbe Verhältniß haben, wie die Größe ihres ganzen Körpers zu demunseren, wer mag den Durchmesser derselben berechnen?

Da uns hier unsere feinsten Instrumente »ertasten und da unserebesten Mikroskope nicht mehr bis zu jenen Gränzen vorzudringen imStande sind, so scheinen jene unbekannte Gegenden nicht mehr für eigent-liche Beobachtungen, sondern bloß für Muthmaßungen geeignet, mitwelchen die Einbildungskraft nach Gefallen spielen kann. Aber dieleMuthmaßungen sind doch ganz anderer Art, als jene, welche unsere hy-perphysischen Naturpbilosophen ibren Speculationen zu Grunde zu legenpflegen. Sie sind auf Thatsachen gebaut., auf eine eigene Gattungvon Beobachtungen, mit einem Instrumente angestellt» das wir i»uns selbst tragen und das unendlich feiner gebaut ist, als alle diejeni-gen, die bisher aus den Werkstätten unserer Künstler hervorgegangensind. Unser Nervensystem ist, besonders im gereizten Zustande, voneiner Empfindlichkeit, die wir nur fühlen, aber nicht mehr berechnenoder mit dem Verstände angeben können. Unsere Geruchsnerven z. B.zeigen uns das Daseyn riechbarer Körper in der Luft, von denen