Landwirtschaft.
41
wirtschaft habe nicht viel Zeit verloren, ihre Orientierung zu suchen und sichnach der durch die Verhältnisse gebotenen Richtung hin fortzuentwickeln.
Diese ungeheure Milchproduktion bringt zwar eine Gefahr mit sich,denn sie ist, wie wir gesehen haben, an die Ausfuhr gebunden, und heuteschon stößt letztere auf ernste Schwierigkeiten. Daher kommt man auchimmer mehr dazu, auf die Zucht von Rassenvieh hinzuarbeiten, das imAuslande stets begehrter wird. Weder der Staat noch Private sind vor denKosten zurückgeschreckt, die notwendig werden, um die heute üblichen Ver-bessernugsmethoden auf unsere schönen Rassen anzuwenden, und es findendie sehr bedeutenden Opfer, die seit ungefähr zwanzig Jahren zu diesemZwecke gebracht worden sind, gegenwärtig schon eine angemessene Belohnung.
Außer zahlreichen lokalen Nassen und Zwischcurassen von unter-geordneter Bedeutung besitzt die Schweiz zwei Haupt-Rindviehschläge,welche große und allgemeine Anerkennung gefunden und schon einenbedeutenden Grad der Bervollkommnnng erreicht haben. Der ältere istdas einfarbige Brannvieh, welches wir in der Centralschweiz finden, soim Kanton Schwhz („Schwyzerschlag"), in allen Thälern, die auf denBierwaldstättersee ausmünden, und im Kanton Luzern, ' ferner für dieOstschweiz in den Kantonen Glarns, St. Gallen und Granbünden,endlich südwärts im Kanton Tessi» und teilweise im Wallis . Schonsehr früh hat das Kloster Eiusiedcln diese schöne, unserem bergigenGelände ausgezeichnet angepaßte Rasse zn verbessern und ihr den weitverbreiteten Ruf zu verschaffen gesucht, den sie heute besitzt.
Ihrem Erscheinen in unserem Lande nach die zweite Rasse ist dasFleckvieh, von höherer Gestalt, weißer Grundfarbe mit braunen oderrötlichen — bei dem Freiburger Schlag schwarzen — Flecken. Das roteFleckvieh ist die eigentliche Bernerrasse, welche vorzugsweise im Simmeu-thal gezogen wird, woher seine gewöhnliche Benennung. Man findet esaber auch iu den Kantonen Neneuburg, Waadt und Freiburg. Obgleiches schwieriger durch Zuchtwahl zu Vervollkommnen ist als das einfarbigeRind, welches nach Nütimeyer von unseren Urhaustieren abstammt, sohat das Fleckvieh dennoch in den letzten Jahren ganz hervorragendeFortschritte gemacht, und zwar namentlich seit Gründung der Zucht-genossenschaften, welche es heute jedermann erlauben, Verbesserungen zuerzielen, die früher nur den Großgrundbesitzern zugänglich waren. Wirwerden übrigens bei Anlaß der landwirtschaftlichen Vereine auf dieselbenzurückkommen.