Die Arbeiterbewegung und der Socialismus.
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Rcvisionspunkte vorn Jahre 1866 keine Ausdehnung der Volksrechtebrachte», für eine Tvtalrevision der Bundesverfassung. In der Anslands-politik begegnen wir Sympathicbezengnngen für Garibaldi , für die Polen ,für die Friedensliga.
Am bemerkensivertesten jedoch ist es, wie in dieser Periode diesoeialen Bestrebungen innner lebendiger ivurden. Allerlei Projekte tauchenam Anfang der Fünfzigerjahre mit einem Male anf: eipe ecntrale5lranken- und Unterstütznngskasse, Volksbanken, ein centraleS Arbeiter-bnrean, eine eidgenössische Handiverker- nnd Industrieschule, Gewerbe-hallen, eine Ausstellung der Produkte von Richtmeistern. Es gelang,polizeiliche Maßregeln, welche die Handwerksgesellen belästigten, durchVorstellungen bei den Behörden zu beseitigen. In Zürich trat anf Be-treiben Karl Bürklis der Konsumverein ins Leben, welcher heute noch,gegenwärtig aber als Aktiengesellschaft, besteht. Diese in der Folge großeUnternehmung hatte, von einigen Grütlianern begonnen, ein Anfangs-kapital von 75 Fr., aus denen man zunächst Cigarren kaufte. Für dasgleiche Geld konnte man jetzt 5—7 statt 3—4 Stück kaufen. Das warsoeialistischer Anschauungsunterricht, der so sehr überzeugte, daß sofort11 weitere Mitglieder beitraten, woraus man auch Hemdeutuch einkaufte.
Bürkli schrieb 1851: „Individualismus und Kommnnismns sind diebeiden Extreme oder Pole der Gesellschaft — dort ist's kalt- zwischen-drin liegt die glückliche Zone der Assoeiation — dort ist gut wohnen."In einer Nummer des „Grütlianer" von 1852 liest man, die socialeFrage sei die größte Frage der Zeit, der Socialismus sei nichts Un-schweizerisches, nichts von außen ins Land Geschmuggeltes. „Glaubtihr, das Rätsel der Zeit sei gelöst, wenn ihr in die Verfassung einigepolitische Fragen oder in die Verwaltung einige renommierte Persönlich-keiten gebracht habt?" Und 1855 fand Klein stürmischen Beifall, alser aus dem Centralfest des Vereins in Zosingen die sociale Freiheit hochleben ließ, ohne welche die politische nur eine halbe Freiheit sei.
Ein Teil der Grütlianer, zumal in der Westschweiz , betonte diesocialen Forderungen immer schärfer, und als in den Sechzigerjahrenvon London aus die Internationale gegründet wurde, traten ihr eineganze Reihe von Sektionen bei. Darüber kam es zu innerin Streit,bis der Beschluß gefaßt wurde, der Internationale die Sympathie desVereins auszudrücken, ihr jedoch nicht als Verein beizutreten, sondernden Sektionen anheim zu geben, dies zu thun oder zu unterlassen.