262 Fünfte Gruppe. Die Nahrungsmittel betreffende u. landwirthfchastl. Gewerbe.
Di, K«°chm. Obgleich die Knochen verschiedener Thiere und sogar aus verschiedenenGliedern desselben Thiers nicht ganz gleich sind und in demselben Knochender zellige Theil im Inneren etwas reicher an organischen Stoffen ist, als diefeste Rinde, so kann man doch im Durchschnitt annehmen, daß die Knochenaus % organischer und % anorganischer Substanz bestehen. —
G-winnung Werden die Knochen in geschlossenen Gefäßen auf eine hohe TemperaturKnech/nkohle erhitzt, so zersetzt sich die organische Substanz: der Wasser-, Stick- und Sauer- >stoff verflüchtigen sich mit einem Theil des Kohlenstoffs als flüchtige empyreu-matische Verbindungen, wahrend ein anderer Theil des Kohlenstoffes mit demanorganischen Bestandtheil, unter Beibehaltung der Knochenstructur, als Kno-chenkohle zurückbleibt. Die Knochenkohle ist eine durch und durch zellige Masse,im Inneren lockerer, in den äußeren Schichten dichter, nirgends massiv. —
So analog diese Zersetzung der Knochen mit der Verkohlung des Holzesist, eben so analog ist die Darstellung der Thierkohle mit der Holzverkohlung,ja sie ist im Princip völlig gleich. Sie ist eine wirkliche Verkohlung der Knochen.
In dem Zustande, wie man sie von den Schlächtern, Abdeckern und ausden Küchen bekommt, enthalten die Knochen viel Fett, welches zu Schmiere undanderen Zwecken gut verwerthet werden kann. Aus diesem Grunde pflegt mandie Knochen vorher auszukochen, um das aufschwimmende Fett zu gewinnen,was häufig mit der Knochenverkohlung verbunden ist.
Bei dieser Verkohlung hat man entweder die Absicht, beide Producte, dieempyreumatischen (den Theer) und die Thierkohle zugleich zu gewinnen; oderman hat ausschließlich die letzteren im Auge.
Im ersten Fall geschieht die Verkohlung der Knochen ganz wie bei derDestillation der Steinkohlen in der Gasbeleuchtung. Die Knochen werden ineiserne Retorten (Cylinder) gebracht, aus welchen die empyreumatischen Pro-ducte durch Röhren, Vorlagen und Kühlapparate verdichtet und gesammelt wer-den. Sie sind durch ihren bedeutenden Gehalt an Ammoniakverbindungen vonWerth. Diese Destillation, welche zuerst von Payen eingeführt wurde, erfor-dert vielmehr Brennstoff, als die sogleich zu beschreibenden Methoden der Ver-kohlung und liefern eine Knochenkohle von erfahrungsmaßig geringerer Güte.
Aus beiden Gründen wird daher der Werth der empyreumatischen Productsausgewogen, so daß man es vortheilhafter befunden hat — ganz wie bei derGas- und bei der Kohkbeceitung aus Steinkohle — beide Zwecke von einan-der zu trennen und bei der Gewinnung der Knochenkohle die empyreumati-schen Producte lieber verbrennen zu lassen.
i» r»pf,n. Die am häufigsten gebrauchte Einrichtung ist daher diese, daß man dieKnochen ■— welche am besten vorher etwas zerschlagen werden, damit sie sichdichter legen und weniger Zwischenraume lassen — in besonders zu diesemZweck gegossene eiserne Töpfe oder kurze Cylinder füllt. Je zwei dieser Töpfewerden, Mündung an Mündung auf einander gestürzt und die Fuge zwischenden Mündungen mit Thon verstrichen und so paarweise durch die Thüre E inden Brennraum D des Ofens Fig. 53., und zwar mit der Vorsicht eingesetztund aufgeschichtet, daß die aus dem Feuerraum A kommende Flamme, so wie