Das Bleichen. Die Bleichmittel. 685
bis die Flüssigkeit eingetauchtes Lackmuspapier sogleich bleicht. Es scheidet sichdabei Kieselerdehydrat aus der Potasche ab. Es entbindet sich keine odernur wenig Kohlensaure, weil zuerst doppelt kohlensaure Salze entstehen, welcheerst durch fortgesetzte Behandlung mit Ehlor unter Aufbrausen zerlegt werden.
Bei Ueberschuß von Chlor zersetzt sich das unterchlorigsaure Salz unter Zerstö-rung der Bleichkrast. Die alkalischen Bleichlaugen sind farblose, oder nur zu- .fällig gefärbte, kräftig bleichende Flüssigkeiten von eigenthümlichem Geruch.
Die direct dargestellten haben vermöge ihres Gehaltes an doppelt kohlensaurenbalzen die Eigenschaft, die rostgelbe, von Eisenoxyd herrührende Färbung(Tinte z. B.) auf den Zeugen, wegzubleichen, eine Eigenschaft, welche denaus Bleichkalk gewonnenen Laugen abgeht.
Bei dem bedeutenden Verkehr in Bleichkalk und der höchst unsicherenBeschaffenheit dieses Fabrikats, welches selbst bei ganz gleicher Darstellung undderselben Fabrik oft sehr ungleich ausfüllt, ist ein hinreichend verlassiges,
^ber leicht und rasch ausführbares Verfahren unerläßlich, um seine Starke zupkuftn, wonach sich zumeist der Handelswerth richtet. Die Stärke des Chlor-kalkes ist seine Bleichkrast oder die Quantität Chlor, welche Säuren darausentwickeln.
Gay-Lussac vergleicht die Stärke des Chlorkalkes mit der BleichkrastG-v-ruffa--«von 10 66. einer künstlich dargestellten Flüssigkeit, welche genau ein ihr glei-ches Volum trocknen Chlorgases (bei 0° C. und 0 m ,76 Luftdruck) enthält. Ertheilt dieses Volum in 100 Theile und nennt die je einem Theil entsprechendeStärke des Bleichkalkes einen Grad. Das Verfahren, wonach die Verglei-chung ausgeführt wird, beruht auf der Eigenschaft des Chlors, die arsenige^äure bei Gegenwart von Wasser in Arseniksäure zu verwandeln, denn+ 2 Cl 2 + 2 HjO = AsjO ä -j- 2 Ci 2 H 2 . Zu dem Ende fertigttvan eine Lösung von arseniger Säure in Salzsäure von der Stärke, daßtO CC. derselben gerade die 10 CC. der Normalchlorlösung bedürfen, um voll-(bändig zersetzt zu werden. Mit dieser Normalarseniklösung prüft man die ab-Zewogene, zu einem bestimmten Volum mit Wasser angerührte Probe Bleich-olk. Sie hat so viel Grade, als sie Volumtheile Arseniklösung zur Zersetzung"edarf. Für die Ausführung dieser Messung ist jedoch Folgendes zu bemerken:
1) Wollte man die saure Arseniklösung in die Bleichkalklösung gießen, sob>Urde Chlor entweichen und Verlust entstehen. Man verfahrt daher umge-und ermittelt, wieviel von der Bleichkalklösung zur normalen Arseniklö-^Ug gefügt werden muß, um sie gerade zu zersetzen. Zu dem Ende zerreibt10 Grm. des zu prüfenden Bleichkalkes mit so viel Wasser, daß das ganze' 9enau i Lstre giebt, und füllt mit dieser Bleichflüssigkeit ein Maßkännchen (vonbec Form, Fig. 256, Bd. I. Fig. 105), worin 100 Theilstriche gerade 10CC.
! sprechen. Von der Normalchlorlösung würde man nur 100 Raumtheilevedürftn (oder 10 CC.), von der Bleichkalkflüssigkeit braucht man mehr undiv>ar um so mehr, je schwächer sie ist- Aus den verbrauchten Raumtheilen.rechnet man die Grädigkeit des Chlorkalkes; sie kann auch unmittelbar aus^"°r von G ay-Lussac gegebenen Tabelle ersehen werden. — Nach der von^ay-Lussac angenommenen Graduirung entspricht jeder Grad des Chlors-