Pffcinzenfarbstoffe, roihe. 741
stelligen, ist es erforderlich die Masse 4 Tage und 4 Nachte lang alle 3 Stun-or-t»,?!..<,den aufs Neue durchzuschaufeln. Alsdann fügt man am dritten Tage 5 Theile ‘'iUfYf b 'gelöschten trockenen Kalk, '/» Theil weißen Arsenik und y 4 Alaun zu und rührtdiese wohl unter und wiederholt das Bearbeiten jede halbe oder Viertel Stunde,je nachdem sich die Gahrung, welche nach 48 Stunden eintritt, starker oderschwacher zeigt. • In keinem Falle darf sich eine Decke von kohlensaurem Kalkin dem Bottiche bilden, weil diese dem freien Luftzutritt hinderlich Ware. Manfahrt mit dem Durcharbeiten fort, nur daß man es allmalig seltener, also spateralle Stunden, noch spater alle zwei Stunden vornimmt, bis zu Ende. Nacheinem, zuweilen erst nach zwei, selbst drei Monaten ist die Ocseille fertig; siewird dann in Fässer verpackt und von Zeit zu Zeit mit frischem Urin befeuchtet.
In den ersten drei Jahren verbessert sie sich durch's Liegen, nachher nicht mehr.
— Auch in England bereitet man, im Wesentlichen nach derselben Art, zweierleiSorten, die eigentliche Orfeille, »Archil«, die mehr bläulich oder violett aus-sieht, und die geringere Sorte, »Cudbear«, aus Flechten (hauptsächlich Leca-nora tartarea und rocella), die auf den britischen Inseln und in Schwedenwild wachsen und durch Sieben und Waschen von Erde u. dergl. gereinigtwerden. Der Eudbear wird als fertiger Farbenteig getrocknet und feingemahlen;er ist ein purpurrothes Pulver.
Wie man steht, ist das, was man bei den beschriebenen Methoden GahrungNennt, hauptsächlich jene Umsetzung der näheren Bestandtheile der Flechten, indie Farbstoffe unter dem andauernden Einfluß von freien Basen (Ammoniak,
Kali, Natron, Kalk) und atmosphärischer Luft. Der Zusatz von arseniger Sauredar, wahrscheinlich den Zweck, die Gährung auf einen gewissen Grad her-^bzustimmen, so daß keine eigentliche Faulniß oder völlige Zersetzung eintrittund es bei langsamem Verlaufe leichter ist, zur gehörigen Zeit einzuschreitenUnd sie zu beendigen, wenn die rechten Farbstoffe entwickelt sind. Das Fabrikatbesteht aus diesem Farbstoffe in Verbindung mit Basen, nach Umstanden basischschwefelsaurer Thonerde, gemengt mit Gpps, den mehr oder weniger verändertenÜbrigen Bestandtheilen der Flechte, des Urins und den etwaigen Verunreinigun-gen. — Kane fand in der Ocseille vier verschiedene Stoffe: zwei stickstoffhaltige,^usAzoerythrin (Heeren's weinrothes Pigment), Orcein, mehr oder weniger^Ammoniakverbunden, und einen stickstofffreien, dieErythr 0 leinsäure, alle^ei rothe Farbstoffe, nebst geringen Mengen von Heeren's gelbem Pigment.
Die Fabrikation von Lackmus wird in Holland betrieben, aber über die Me- ^^obe ist _ big auf obige Notiz von Ge'lis — nichts genauer bekannt gewor-bn. Sie soll der für Orfeille ganz ähnlich sein, nur daß dabei zu dem Urin
Kalk allein noch Pottasche, Kreide, auch Gyps gesetzt werde. Nicht selten istbec Lackmus mit Indiz verfälscht. Der Lackmus ist blauviolett von Farbe^ braust mit Säuren stark auf. Kane fand darin vier verschiedene Stoffe:das Erpthrolein, einen bei gewöhnlicher Temperatur halbflüssigen, der Erythco-^Usaure ähnlichen Körper, dann die beiden hauptsächlichen Bestandtheile des Lack-mus, das Erythrolitmin, und eine Verbindung etwas zweifelhafter Existenz,
^^zo litmin; die beiden letzteren enthalten Stickstoff, die beiden ersteren nicht.