IV. Zeitalter.
Zeitalter der phlogistischen Theorie.
Dau<r. Mit dem Umstürze des medicinisch-chemischen Systems schlagt die Chemie
eine neue Richtung ein; wir datircn mit dieser Veränderung der Richtung einneues Zeitalter, welches wir als das der phlogistischen Theorie be-zeichnen. Es erstreckt sich von der Mitte des 17. bis zu dem letzten Vierteldes 18. Jahrhunderts; von der selbstständigen Behandlung der Chemie durchBoyle bis zu der Widerlegung der phlogistischen Theorie durch Lavoisier.
eharalk.ristie. Es ist wieder die Gesammtrichtung der chemischen Forschung, deren
Stlbststättdi- . , < -
^e^ChemiV" Eigenthümlichkeit das jetzt zu betrachtende Zeitalter von dem vorhergehendenunterscheidet. Die Chemie kommt jetzt zum Bewußtsein ihres wahrenZwecks; sie tritt als eine selbststandige Disciplin in die Reihe der Natur-wissenschaften. Dieses selbststandige Auftreten unterscheidet das neue Zeitalter,und alle folgenden, von dem zunächst vorhergehenden, und allen früheren;es bildet einen Hauptabschnitt in der Entwicklung der Chemie; es leitet dieneuere Geschichte dieser Wissenschaft ein. — Die Chemie war keine selbst-standige Naturwissenschaft, als sie nur von den Alchemisten betrieben wurde,denn diese verbanden mit der Ausübung chemischer Operationen nicht denZweck der Naturforschung, sondern den der Goldmacherei; sie war keineselbststandige Naturwissenschaft, als sich die Jatrochemiker ihrer bemächtigthatten, denn die Forschungen dieser hatten jederzeit mehr zum Zwecke,Resultate für die Medicin zu gewinnen, als chemische Wahrheiten an undfür sich zu constatiren. Fast alle Erweiterung der Kenntnisse, welche dieChemie den Alchemisten und besonders den Jatrochemiker» zu verdankenhat, war eine gewissermaßen nur gelegentlich gewonnene. Mit dem Kapitalan Kenntnissen, welches sich für die wissenschaftliche Chemie in ihrem Diensteunter den Alchemisten und den Jatrochemikern angehäuft hat, emancipirtsich nun unsere Wissenschaft und fördert selbstständig die Auffindung vonNaturwahrhciten, nicht mehr sofortige einseitige Anwendung des neu Er-kannten im Auge habend.,