187
IV.) Zeitalter der phloglstlschen Theorie.
eingeführten, Reorganisation wurden von 1746 an ihre Arbeiten jährlichpublicict, in diesem Zeitalter in französischer Sprache, bis 1770 unter demTitel: HirNoire <Ie I' tjrcsäeinio llo^ale - - avec les .Vle'moires - clo cctte^oadenrie, von da an als ^iouveaux üldinnire» <Io I' t^csclemie Ilo^sle.Die Chemiker, welche diesem Institute angehörten, haben wir für die Zeitbis 1780 etwa als die Repräsentanten der in Deutschland herrschendenAnsichten zu betrachten.
Der erste Chemiker, den wir hier als den Führer sämmtlicher folgendenanzuerkennen haben, ist Georg Ernst Stahl. Er war 1660 zu Ansbachgeboren; der Arzneikunde sich widmend, studirte er zu Jena, wo er 1683 pro-wovirte und sogleich selbst als akademischer Lehrer auftrat. Von dem HerzogJohann Ernst von Sachsen-Weimar wurde er 1687 zu seinem Leibarzternannt. Nach der Errichtung der Universität zu Halle (1693) wurdeStahl dahin als zweiter ordentlicher Professor der Medicin berufen. Hierwurde er Lehrer einer Menge ausgezeichneter Männer, welche das Studiumber Naturwissenschaften betrieben und denen er Liebe zur Chemie einzupflanzenwußte; er bildete hier die Schüler, welche später den eifrigsten Antheil anber Verbreitung der Stahl'schen Theorie und der Ausbildung der ChemieMemmen haben. Zweiundzwanzig Jahre lehrte er zu Halle mit demgrößten Beifall, bis er 1716 als königlicher Leibarzt nach Berlin berufenwurde. Von seinem Aufenthalt in Berlin her datiren noch mehrere ihm^gehörige chemische Schriften; seinem eifrigen und erfolgreichen Streben^tzte der Tod 1734 eine Grenze.
Stahl's wissenschaftlicher Charakter war ehrenwcrth in jeder Be-gehung, wenn man ihn gleich des Hochmuths beschuldigte, und allerdingsVerachtung der Andersdenkenden und selbstgefällige Hervorhebung seinerggenen Verdienste und Ansichten in seinen Schriften öfters nicht zu ver-kennen ist. Aber wie sehr die Erforschung der Wahrheit das einzige Zielwar, welches seine Bestrebungen leitete, zeigt sich in der scharfen Sonderungseiner verschiedenartigen Kenntnisse, wo er nie seine Einsicht in Eine Wissen-schast dazu anwandte, sein Ansehen in einer andern zu heben. Obgleich alsArzt ausgezeichnet, wie er denn in der Geschichte der Medicin einen ehren-dollen Rang behauptet, und als Chemiker unbestreitbar der erste seiner Zeit,^suchte S t a h l doch nicht eine Verschmelzung dieser Wissenschaften, wie
St-bl.