Band 
Erster Theil.
Seite
356
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gen.

Proust.

Leben.

358 Allgemeine Geschichte der Chemie.

können; er gab constante Zusammensetzung in Einem Verhältniß nur füräußerst wenige Verbindungen zu, für die meisten glaubte er, daß sich ihreBestandtheile innerhalb zweier Grenzverhältnifse in jeder beliebigen Propor-tion vereinigen lassen; daß z. B- Eisen mit Sauerstoff in allen Ver-hältnissen Verbindungen bilden kann, welche sauerstoffreicher als das Eisen-oxydul und sauerstoffärmer als Eisenoxyd sind, daß ebenso unendlich vieleintermediäre Bleioxyde zwischen der Bleiglätte und der Mennige, u. s. w.existiren. Berthollet's Autorität verschaffte seiner Ansicht große Geltung,aber die Feststellung von chemischen Thatsachen wurde durch diese Ansichtsehr gehindert. Jede falsche Analyse vertrug sich mit der Annahme, daßdas Verbindungsverhältniß zweier Stoffe ganz variabel ist, und bestätigtesie scheinbar; die Kenntniß der quantitativen Zusammensetzung gab keinenAnhaltspunkt für die Desinirung einer Verbindung, denn sie ging auf etwasSchwankendes; die Chemie wurde überschwemmt mit einer Unzahl von Verbin-dungen, die alle gleiche qualitative und ganz allmälig sich ändernde, aber nieübereinstimmende, quantitative Zusammensetzung haben sollten. Aber gleich alsVertheilet dieser Ausflucht aller fehlerhaften Analysen in seinen Untersuchun-gen über die Verwandtschaft eine Stütze verlieh, erhob sich ein anderer Chemiker,welcher, schon durch frühere Untersuchungen Vortheilhaft bekannt, sich in derGeschichte der Chemie besonders dadurch einen unvergeßlichen Namen gemachthat, daß er constante chemische Zusammensetzung als eine wesentliche Be-dingung jeder chemischen Verbindung unwiderleglich darthat. Proust wares, der alle intermediären Verbindungen in allmälig sich veränderndenVerhältnissen als nicht existirend zurückwies, und zeigte, daß wenn zweiBestandtheile sich auch in mehrfachen Verhältnissen vereinigen, diese nurwenige, und zwar sprungweise, nicht allmälig sich ändernde, sind.

Joseph Louis Proust war 1755 zu Angers geboren, wo seinVater als Apotheker lebte. In dem Hause des letztem erwarb er sich dieersten pharmaceutischen Kenntnisse, und suchte sich dann zu Paris als Apo-thckergehülfe noch weiter auszubilden; er beschäftigte sich hier besonders mitChemie, in welcher Wissenschaft Rouelle sein Lehrer war. Die Vacanzder Stelle eines Geschäftsführers an der Apotheke des Salpetrierehospitalsgab ihm Gelegenheit, seine Kenntnisse an den Tag zu legen; einstimmigwurde ihm unter den Bewerbern von den Schiedsrichtern diese Stelle zu-gesprochen, welche ihm neben einer sorgenfreien Lage hinlängliche Muße