Band 
Erster Theil.
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Schlußbetrachtungen.

ganzen Umfange aussprcchend, daß in dem theoretischen Theile der Chemie Schluß-,««Hmngroßartige Reformen eintreten können, ohne daß der Totalzustand der Wis-senschaft dadurch wesentlich verändert würde.

Es ist also nicht wahrscheinlich, daß ein neues Zeitalter auf den Grundhin eintreten wird, daß die Wissenschaft in dem letztem eine der unserigen contrarentgegengesetzte Ansicht als charakteristisch anerkennt. Dann kann ein neuesZeitalter nur eintreten in der Art, daß zu der wissenschaftlichen Behandlungder Chemie spater etwas hinzukommt, über was wir jetzt noch keine deut-liche Einsicht haben. Wenn sich das kommende Zeitalter nicht von dem ge-genwärtigen durch die Negation einer jetzt anerkannten Ansicht als das we-sentlichste Kennzeichen unterscheidet, so muß dieses Kennzeichen in dem Hin-zukommen einer Betrachtungsweise bestehen, nach welcher gewisse wissen-schaftliche Gegenstände von der Chemie als Hauptsache betrachtet werden, wäh-rend wir sie jetzt noch gar nicht kennen, oder ihnen ngr untergeordnete Be-rücksichtigung schenken. Das Hinzukommen einer solchen neuen Betrach-tungsweise kann in zweierlei Art stattfinden; es kann sich aus der Chemieselbst entwickeln, oder es kann auch aus der Verschmelzung der Chemie miteiner andern Wissenschaft hervorgehen.

Wenn es wahr ist, daß unsere jetzige Untersuchungsweise im Principnichts Fehlerhaftes enthält, so ist es unwahrscheinlich, daß aus der Chemieselbst die Nothwendigkeit, ein neues Zeitalter zu datiren, entspringen wird.

Die Erweiterungen, welche der Chemie allein angehören, werden sich dannals einfache Entwicklungen der auch bisher leitenden Untcrsuchungsweisedarstellen, sie werden das Zeitalter fortführen und verlängern, welches mitder Annahme dieser Untersuchungsmethode begonnen hat. Die Zusätze, welchedie Chemie durch solche neue Betrachtungsweisen erhält, können die Erkennt-niß einzelner Theile der Chemie vermehren und beträchtlich anders erscheinenlassen, aber den Totalzustand der Chemie verändern sie nicht. Ein Fort-schritt wäre es z. B-, wenn wir für alle chemischen Verbindungen angebenkönnten, nach welchen Raumverhältnissen in ihnen die Bestandtheile ent-halten sind, und zwar ein Fortschritt, welcher sich über jeden einzelnen Gegen-stand der Chemie verbreiten würde; allein die Wissenschaft würde dadurchkeinen andern Charakter annehmen, denn jener Fortschritt wäre lediglich eineweitere Entwicklung der schon bisher zur Führerin angenommenen quantita-tiven Untersuchungsweise.

Es erscheint sonach weniger in Aussicht stehend, daß ein neues Zeit-

Kopp's Geschichte der Chemie. I. 29