„Wir haben eben eine trübe Zeit durchlebt. — Eine ganz ungenügende Ernte hat, da der Miß'wachs sich über einen großen Theil Europa'S erstreckte. die Preise der ersten Lebensbedürfnisse zu einer,bei unS höchst seltenen Höhe gesteigert, die nur Einzelnen Vortheil brachte, viele Meiner geliebten Uri-tcrthanen in Noth versetzte, sie theilweise dem Mangel Preis gab, den Meisten aber wenigstens herbeEntbehrungen auferlegte. — Daß diese Erscheinung Mich auf das Tiesste schmerzte, davon sind Sie,ohne Meine Versicherung überzeugt. — Was von Mir und Meiner Regierung abhing, ist zur Beseiti-gung der allgemeinen Noth, mit Eifer und Umsicht geschehen und Ich erkenne, dankend, die Bereitwil-ligkeit an. mit welcher auch Sie Mir durch Verwilligung ausreichender Mittel dabei entgegenkamen. —Lobend muß Ich zugleich der Privatmildthätigkeit gedenken, die in allen Klassen der Gesellschaft so kräf-tig zur Unterstützung nothlcidender Mitbürger beitrug. — 'Auch manche Gemeinden zeichneten sich, durchdie Sorgfalt aus, die sie den ärmeren Klassen ihrer Angehörigen, theils unmittelbar, theils mittelbar,durch Anordnung öffentlicher Arbeiten widmeten. Nur so konnte es gelingen, diese sorgenvolle Zeit zuüberdauern. — Zur Ehre der Bevölkerung dieses Landes muh Ich aber auch die Ergebung hervorheben,mit welcher man sich den Fügungen der Vorsehung unterwarf, und, nicht ohne eine gewisse Genugthu-ung. sage Ich es, daß mit einer einzigen, noch nicht ganz aufgeklärten, Ausnahme, in dieser ganzenEpoche nirgends eine Störung der öffentlichen Ruhe und Ordnung, nirgends Widersetzlichkeit oder gewalt-samer Eingriff in fremdes Eigenthum stattfand', wiewohl es auch bei Uns, an verschiedenen Orten, anAufreizungen hierzu nicht gefehlt hat. — Man kann sich. aus vielen Gründen, der Hoffnung hingebe»,daß von nun an die Verhältnisse sich bessern werden; und lassen sich auch die eben geschlagenen Wun-den nicht sogleich heilen, so wird doch, dem Anscheine nach, schon die bevorstehende Ernte zur Herstel-lung des Gleichgewichts beitragen. — Indessen bringt es die Natur der Dinge mit sich, daß dergleichenverhängnißvolle Störungen der gewöhnlichen Verhältnisse im Laufe der Zeit, wenn auch in längerenZwischenräumen, wiederkehren und es bietet sich daher die Frage dar, ob nicht vorsorgliche Mittel ge-funden werden können, um den zerstörenden Folgen solcher Lalamitäten entgegen zu treten, sie we-nigstens zu mindern? Dermalen aber, wo Ihre Sitzung dem Ende nahte, war zu solchen Erörterungendie Zeit zu beschränkt, sie mögen daher einem kommenden Landtage vorbehalten bleiben."
Abschiedsworte Sr. Königl. Hoheit Ludwig H., GrvschcrzogS von Hessen u. bei Rhein,gerichtet an seines Volkes Vertreter, den 28. Juni 1847.