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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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welche die rohen Produkte seines eigenen Bodens veredelt, nebenallgemeiner Verbreitung und Gerniehrung des Wohlstandes, auchdie Einnahmen der Staatskasse erhöhen wird. Er wird zugleich dieihnen gewidmet werdende Aufmerksamkeit und Unterstützung reichlichwiedererstatten, nicht allein durch sich selbst, sondern auch durch dieUmgebung, die aus der erhöhten allgemeinen Thätigkeit Nutzen zieht.Die glücklichste Combination ist es, sobald mit dem Landbau sicheinige Arbeiten der Industrie verbinden, um die Fcierzeit des Land-manns auszufüllen; dieß ergänzt den Lohn, der dem Landbau wie-der zu gut kommt, beschäftigt Frauen und Kinder, läßt die Prüfungdurch schlechte Ernten besser überstehen, und giebt dem Ueberschußder brodloscn Armen Arbeit. Glück dem Lande, das sich des Be-sitzes geistiger wie körperlicher Capitalien, geübter praktischer Unter-nehmer, sicherer Absatzwege zur Gründung solcher Industriezweigein den Städten, wie auf dem flachen Lande rühmen kann!

Mehr Gewicht ist zu legen auf eine andere Besorgniß: näm-lich über das Entstehen einer übermäßigen Anzahl cigenthumöloserArbeiter (Proletarier), da dieselben fast überall in England, undauch anderswo nicht selten, die Begleiter der Gewerbe und Fabrikensind. Der Würdigung dieser meiner Intention entgegenstehendenAnsicht, werde ich daher die folgenden ersten Abschnitte widmen, undich hoffe dieselbe vollständig zu beseitigen. In dem vierten, fünftenund sechsten Abschnitte wird der dermaligc Stand der Industrie unddes Handels des Zollvereins, über welche immer noch so großesDunkel selbst bei vielen Deutschen schwebt, und folglich auch sehrirrige Ansichten verbreitet sind, sowie der seines industriösesten Be-standtheils, des Königreichs Sachsen, besprochen. Am Schlüsse wer-den Englands Zustände mit denen verglichen, deren Einbürgerungin unserm Großherzogthum als sachgemäß erscheinen. In den fol-genden Abtheilungen wird eine Masse der verschiedenartigsten Ge-legenheiten zu Verdiensten und deren lohnender Erfolg in materiellerund sittlicher Beziehung mit steter Rücksichtnahme auf unser Hessengeschildert, und hierdurch der Thatsache eine möglichst praktische undzur Nachciferung einladende Bedeutung abzugewinnen gesucht, daßnicht durch Verabreichen von Almosen, wohl aber durch schicklicheGelegenheit zu Verdiensten der überhandnehmenden Armuth gewehrtwird; denn wer seine gesunden Geistes- und Körperkräfte besitzt,dem soll man nicht helfen durch Schenken, er ist nicht arm, er be-