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herzogthum Oldenburg ist öffentlich berichtet, daß selbst jetzt in diesenTagen allseitiger Bedrängniß dort kein Nothstand vorbanden sei, weiles an hinreichend lohnender Arbeit nicht feblc.
Der Verfasser ist durchdrungen von der Ueberzeugung: 1) daßdie Arbeitsamkeit, oder die Neigung zur Arbeit, wenn sie erweckt,entwickelt und befördert wird, die untere Vvlksklassc in den Standsetzt, ihren Unterhalt und eine genügende Bildung in sittlicher Weisezu erwerben, wodurch Betteln und Armenuntcrstützung sich schwächen,selbst vermindern; 2) daß die Arbeitsamkeit überhaupt das nachhal-tigste Mittel zur sittlichen Führung der Glieder der unteren Ständeist, und daß die Religiosität, wie auch der materielle Wohlstand, mitder Arbeitsamkeit in den unteren Volksklasscn verbunden, durch sievermittelt und erhöht wird; 3) daß die Betricbsthätigkeit die gesun-desten und nahrhaftesten Früchte trägt, sobald sie frei erscheint undin den Individuen sich frei entwickelt, sie auf diesem, nicht auf demZwangswcgc, sondern auf dem des Freundesraths oder der Näch-stenliebe gelenkt werden.
Damit jenes Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen und denMitteln zu ihrer Befriedigung möglichst dauernd erhalten werde,widmete ich denjenigen Industriezweigen in dieser Denkschrift über-wiegenden Raum, bei deren Bearbeitung weniger die Maschine, alsein Instrument, d. h. dasjenige Gerätst als nothwendiges Requisitauftritt, dessen Benutzung ohne die leitende Hand und den denkendenGeist des Arbeiters nicht gedacht werden kann, wo also entwedergar nicht, oder nur in geringem Maße die Maschine die Handarbeitzu ersetzen, oder zu verdrängen im Stande ist, somit sie durch derenEinführung so leicht keine Schwankungen erleiden. — Damit esmöglichst Vielen Nutzen bringe, wählte ich passende Erwerbsquellenfür Jung und Alt, für jedes Geschlecht, für jeden Stand, für dieTochter des schlichten mittellosen Taglöhncrs, bis zu der des ver-hältnißmäßig nicht vermögenderen, wenn auch noch so hochgestelltenStaatsbeamten. Es erscheint diese Rücksichtsnahme um so sachge-mäßer, als das schwache Geschlecht, durch seinen Beruf und seineBestimmung mehr an das Haus gebunden, lange nicht so vieleGelegenheit zu Verdiensten, als das männliche hat, dessen Kraft unddie Leichtigkeit, mit welcher es sein Haus verlassen, und sich an denOrt, wo man seiner bedarf, begeben kann, ihm hierin ein sehr er-sprießliches Voraus gewährt.