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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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treire, Winterfrüchte, Obst und Reben. In den Vertiefungen undwo nur immer das Oucllwasscr hingeleitct werden kann, unterhältman im Schwarzwald fette und wohlgewäsfertc Wiesen, daher derhohe so einträgliche Flor der dortigen Viehzucht. Der schlichteSchwarzwälder ist haushälterischen Sinnes, ja meist sehr sparsam,daher bei aller Unergiebigkcit des Bodens nicht arm. Zufrieden mitdem, was seine für die Bodenkräfte höchst blühende Landwirthschaftihm liefert, verwendet er wenig auf Bedürfnisse, die nur fruchtbaresErdreich befriedigt. Ist der Bodenertrag zu seiner fortdauerndenleidlichen Subsisten; nicht hinreichend, schafft der Bewohner desUhren-districts, wie wir seither gesehen, sich Rath durch seine Kunst- undHandelsthätigkcit. Zu keiner Tageszeit siehst du hier arbcitskräftigeArme feiern, zu keiner trübe, hungernde, bittere Tage verkündende,faltenreiche Gesichtszüge. Nur der Trauernde und Kranke kennt hierKummer und Sorgen. Erst die Noth lehrte den Schwarzwälderbeten, d. h. sich in jeder Lage des Lebens mit'Gottes Hilfe selbstRath auf rcoliche Weise schaffen. Dieser Uhrmacher hat schonlange erkannt, daß sein stiefmütterlicher Boden allein unvermögendist, eine Bevölkerung zu ernähren, welche innerhalb 30 Jahren sichfast verdoppelt hat, daß er daher einzig und allein der industriellenBasis seine zufriedene wohlhäbige Eristenz verdankt. Ihm ist ausseinem Leben klarer, als manchem gelehrten Theoretiker, wie derAckerbau isolirt hingestellt eine Waise bleibt, wie er erst in seinerinnigen Verbindung mit dem Handel und den Gewerben die ihm zu-kommende Blüthe, jenen heilsamen Einfluß auf die Gesammtwohl-fahrt sich zu verschaffen vermag.

Wir haben seither vernommen, wie eine mit jedem Jahr be-deutendere Rolle in des WälderS Leben die Uhrcnfabrikation spielt,aber so ergiebig sich auch fortwährend für viele Familien dieser Han-delszweig zeigt, begnügt sich diese Gebirgs-Einwohnerschafft mit derenFertigung allein doch nicht; ihr alter oben schon erwäbnter Glas-und Strohhuthandel blüht noch heute wie vor 150 Jahren. Ebensogehen aus ihren geschickten Händen sonstige Holzarbeiter, zu TrybergBlechlöffel, für den Welthandel hervor; überdieß ernähren sich vieleHunderte vom Rußbrcnncn, Brcttcrschneiden, Theerschwelcn und der-gleichen leichteren Gewerben mehr. Keine Familie des Uhrcndistrictsist meines Wissens selbst in den jetzigen theueren Zeiten in dem Gradebedürftig, daß sie nur Einen Tag im Jahr in djc Lage käme,