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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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Es ist leider nur zu wahr, daß das Zusammenleben in denDörfern nur zu häufig unsere Landbewohner ins Wirthshaus führt,daß viele, ja sehr viele von ihnen ein Leben hinbringen, dessen ein-zige uno zum Unglück nicht seltene Würze — ein Rausch ist, daß zukeiner Zeit für unsere Untcrsuchungsgerichte auf dem Lande mehr zuthun ist, als nach den so manche blutige Streithändel mit sich füh-renden Kirchweihtagcn und anderen ähnlichen festlichen Veranlassungen.Es hat diese Vorliebe für das Wirthshausgehen viel größere Nach-theile in jeder Beziehung, als man gewöhnlich denkt. Anstatt tüchtigauf dem Handwerke, auf dem Felde oder im Geschäfte zu arbeiten,sieht man in manchem Orte schon in aller Frühe die kräftigstenMänner im Branntweinhause; der Bauer, wenn er auch ins Feldzur Arbeit geht, glaubt es ginge die Arbeit nicht von Statten,wenn er zuvor nicht seinen Schnapps getrunken hätte; bei EinemGlas und bei einigen Minuten Versäumniß bleibts aber in derRegel nicht; es treffen sich in einem Branntwcinhause zwei, dreiund mehr, welche dieselbe Absicht haben, es wird statt Ein Glas, einzweites, ein drittes getrunken, es kommen auch noch die Karten da-zu, es wird darüber Mittag; mit schweren Köpfen geht's dann nachHause; ist nichts zu essen da, was dem Berauschten schmeckt, sogiebt's gar oft Zank und Streit, der schwere Kops wird dann aufdie Bank gelegt, und wenn der Rausch ausgeschlafcn ist, dann mußzur Erholung des Nachmittags wieder ein Schnapps oder Bier ge-trunken werden, der Abend kommt so herbei und anstatt gearbeitetund das Feld gepflegt zu haben, wodurch Segen in den Haus-halt gekommen wäre, war der Tag durch Faulenzerei und Saufereihingebracht worden. Daß hierdurch auch selbst bei noch Bemit-telten Mangel und Noth bald eintreten müssen, liegt klar amTage. — Dieses Treiben unterhält und nährt aber einen weiterenHang des Odenwäldcrs, nämlich seine Prozcßsucht. — Wer einmalein solches Branntweingelage im Odenwalde anzuhören Gelegenheithatte, war gewiß erstaunt, wie hier nur von Prozessen die Redewar, wie einer hier den andern erhitzt — und, wenn noch einVergleich in einer Sache denkbar war, nach einigen solchen Brannt-weinsitzungen ist's sicher vorbei. — Wie sehr dadurch der Acker-bau vernachläßigt und ein reichlicher Ertrag geschmälert wird, istleicht einzusehen. Es ist eine solche Vernachlässigung nicht allein indem tiefen Odenwalde, wie in der Gegend von Beerfelden, Wald-

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