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vielen Beinknopffabrikantc», welche mir ohne Ausnahme erklärten,daß sie unmöglich ric nie nachlassende Nachfrage vollständig befrie-digen könnten, eaß sie daher stets eine verhältnißmäßig sehr guteNahrung hätten und im Stand seien, jedem bei ihnen eintretendennoch so jugendlichen Arbeiter dauernden, mit täglich 6 Batzen be-ginnenden Taglohn zu geben, dieser würde sich aber sehr bald, jenach dessen Brauchbarkeit und Gelehrigkeit, auf 10, 12, ja sogar15 Batzen oder einen Gulden steigern können, ohne daß sie selbstSchaden hierbei erlitte». Und trotz all' dieser lockenden Thatsachenund Umstände wird nirgends wo in unserm Hessen diese verhältniß-mäßig so äußerst einträgliche Industrie im Großen getrieben, nur inOffenbach baden wir in einzelnen Tabletteriezweigen mehrere nam-hafte Fabrikanten, ebenso in dessen Nähe zu Weiskirchcn einen Na-mens Emanuel Marks und außerdem finden sich noch zu Reinheim,Umstadt, Darmstadt, Michelstadt und Großenlinden, soweit mir be-kannt, einzelne Dreher und Beinknopffabrikantcn, deren Gewerbe bisjetzt aber sür das allgemeine Bolkswohl kaum der Rede werth ist.
Was die Rohstoffe anbelangt, so ist über den Bezug der ein-heimischen: des Holzes und des Beins schon oben gesprochen worden,was den Einkauf der andern, wie Perlmutter, Elfenbein w. rc. be-trifft, so gibt über deren möglichst woblfcilcn (wenigstens ebenso billigdurch uns, als durch die Handarbeiter Nordfrankreichs zu bewerk-stelligenden) Bezug sowobl, als die Verarbeitung derselben, Mohlan den schicklichen Stellen ebenso ausführliche als interessante Aus-kunft, worauf ich der Kürze halber zu verweisen mir erlaube, indemich nunmehr zu der Fabrikation einzelner Gegenstände und zwar inder Reihenfolge übergehe, wie sie etwa am geeignetsten für dendermaligcn noch sehr wenig gepflügten Boden unserer deutschen, vor-nehmlich hessischen Industrie in diesen Zweigen mir am praktischstenund zugleich lohnendsten dünkt.
Zuerst möchte diese Fabrikation wohl in den wenigen Ortenunseres Großhcrzogthums einzuführen sein, wo minder oder mehrgeschickte Beindreher schon ansäßig sind, somit schon dort eine Grund-lage für die Verfertigung gedrehter und geschnitzter Elfenbeinwaarenbereits gelegt ist und es nur einer wohlthätigeren größeren Verall-gemeinerung höheren Aufschwungs und der künstlerischen Ausbildunghierfür noch bedarf. Der Gewerbhülfsvercin müßte hier in Verbin-dung und Einverständniß mit jenen Offcnbacher Portefeuillefabrikantcn,
Willen« Erweiterung -c. Iß