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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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Im Jahr 1826 erst ctablirtc er sich, wie uns Rößler erzählt,zu München als einfacher schlichter Schrcinermcistcr mit höchst ge-ringen Mitteln und schon nach Verlauf eines Jahrzehntes hatte derdeutsche Meister es durch besondere Gcschicklichkcit und Unterneh-mungsgeist dahin gebracht, daß wenigstens bezüglich obiger Mosaik-arbeiten er als wahres Muster dastehen kann. Im romantischenAlpengcbirgsschloß Hohenschwangau kannst du ebenso seine trefflichenwunderschönen Arbeiten anstaunen, wie in dem neuen lcucbtcnbergi-schcn Palast des ferngelcgenen Petersburgs, der allein für 20,000 fl.seiner vollendeten Fabrikate erhielt. Frankreich und England wissengleichfalls Arbeiten aus seiner fortwährend wenigstens 30 Gesellenbeschäftigenden Wcrkstätte auszuweisen, Arbeiten, die den Ruf desSchrcinergewcrbes in München auch dort auf solche Höhe erhoben,daß sie das doch leider so schwer zu überwindende, für uns Deutschein so hohem Grade beschämende Borurtheil besiegt haben, welcheshoffentlich die längste Zeit nunmehr zum Nachtheil der deutschenIndustrie dem Ausland gezollt wird.

Fortners Werkstättc war mir nächst den Ateliers einiger Ma-ler und Schwanthalers, sowie Stiegelmapers Gießerei, der königlichenund Boisseröeischen Kunstsammlungen das Interessanteste. Sie istein wahrer Knnsttempel ächt deutschen Fleißes und besitzt alle erfor-derlichen Einrichtungen, um Alles was znr Mosaik gehört, von An-fang an bis zu derer letzten Vollendung zu fertigen. Obgleich ihrInhaber sich hierdurch in den Stand gesetzt sieht, die Fournirarbei-ten zu den Möblcments ähnlich, wie es in Fabriken geschieht, ver-senden zu können, so beschränkt er sich doch darauf, solche blos zueignem Bedarf zu fertigen. Er hat gleich den größeren FabrikenFrankreichs seine eignen Künstler zum Zeichnen der Ornamente, vonder gewiß sehr richtigen Ansicht (wie auch unser Kratz, der ebenfallsfremde Skulpturarbcitcr sich hält) ausgehend, daß der Gcwcrbsmannnicht zugleich auch vollendeter Künstler sein kann und betrachtet esals das wirksamste Mittel zur Erzielung wahrhafter Fortschritte undzur Hebung der deutschen Industrie, wenn der GcwerbSmann, denRath und die Talente tüchtiger Künstler benutzend, auf diesem un-streitig praktischsten Weg fortschreitet.

Ich habe nicht ohne Grund bei diesen: rastlos thätigen Meisterso lange verweilt, da er, wie chic meisten angehenden deutschenSchrcincrmeister, nur über geringe Kapitalkräfte zu verfügen hatte.