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nie fehlenden, jugendlichen, in weißer Leinwand und scidncm bun-ten Mieder gekleideten, ohnedies schon so anmuthsvollen Landmäd-chen den vorthcilhaftesten Eindruck, welche an den zauberbaft rei-zenden Ufern des Arno nach Pisa zu jeglichem der Arbeit gewid-meten Tag (mit ihrem allerliebst mit Federn geschmückte», selbstge-fcrtigten Strohhute, den sie mit vieler Schalkheit ihrem lebensvollenGesichtchcn anzupassen und im Gange und Haltung eine eigenthüm-liche, wahrhaft anziehende Grazie zu entfalten wissen, auf dem Kopfe)emsig mit jenen feinen Strohhutgeflechten beschäftigt zu sehen sind,woraus jener höchste Wunsch einer jugendlichen Schöne bei uns,jene weltberühmten Florentiner-Hüte zusammengenäht werden. Ebenjener Schmuck des Strohhuts, den hier ebenso der ärmste Dienst-bote, wie die wohlhabendste adlige Jungfrau trägt, läßt nie jeneswiderwärtige Mvdegcmengsel wie an andern Orten aufkommen. Jede,selbst die verwaiste Taglöhners-Tochtcr flechtet sich wenigstens einenfür die hohen Feiertage. Er bildet den einzigen Schmuck der schö-nen Toskanerin bei allen festlichen Ereignissen ihres glücklichen, freu-devollen Daseins. Diese ausgezeichnete Behandlung eines an sichfast werthlosen Stoffes — des Wcizcnstrohes — nämlich einer Gat-tung, welche bei uns als Sommerweizen bekannt ist — verdanktjenes allerliebste Arnothal wohl seit Jahrhunderten vornehmlichseinen Wohlstand. Ihr Preis wird nach Riefen, überhauptnach der Feinheit ihres Geflechtes bestimmt, diejenigen, welchemehr denn 160 solcher Riefen haben, kosten bis zu 600, ja selbstbis zu 1000 unserer Gulden. Es wird hiermit natürlich weitmehr die Seltenheit und Vorzüglichkcit der Arbeit, als der reelleWerth bezahlt. Im Durchschnitt erhält man hier feinere Qualitä-ten um die Hälfte des bei uns üblichen Preises. Die vorzüglichstenGeflechte sind bekanntlich die im Frühjahr gefertigten, weil um dieseJahreszeit die Lust die Halme noch nicht so austrocknet, und derSchweiß der Hände, sowie der Staub die Arbeit nicht so sehr be-schmutzen. Nach Fulchcrons ebenso interessanter als belehrender Reisenach Mittelitalicn, belicf sich im Jahr 1837 die Ausfuhr nach Frank-reich, besonders nach Paris auf 577,076 Stück im Gcsammtwerthvon 3,335,792 Franks, während die Totalausfuhr dieses so überausempfehlenswertsten Erwerbszweiges wohl den Werth von 5 Millionenschon in jenem Jahre überstieg. Bedenkt man nun, daß eine Erntemöglichst dünn aufgeschossenen Sommerweizens von zwei Morgen