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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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, Maulbcerbaumplantage auf öffentliche Kosten gegründet und unter-halten werden. Mit dieser ist zugleich eine Musteraiistalt für dieRaupcnzucht in Verbindung zu bringen und mit möglichster Umsichtdie Einrichtung zur AöhaSpclung der Cocons zu treffen. Die Be-strebungen der Privaten, die Anpflanzung auf allen Straßen, Spa-ziergängen, kurz, wo es nur irgend möglich ist, ebenso der baus-wirthschaftliche Betrieb der Seidenzucht sollen überdies jederzeit ausalle mögliche Weise unterstützt werden. Besonders sollen Seidenbau-anstalten in der Nähe von Orten in's Leben gerufen werden, inwelchen geistliche oder Schullehrerseminaricn sich befinden.

Solch' energisches Bemühen mußte ein günstiger Erfolg krönen;dies erkennt man schon jcizc zur Genüge in Bayern. Was ein ein-ziger Mann zur Emporbringung dieses Industriezweiges bei kräftigemWillen und Ausdauer zu leisten vermag, das zeigt dort KnopfmacherNieincier zu Ansbach, der auf 8 Morgen Landes 20,000 Maul-bccrbäume besitzt und bereits im Jahr 1840 246 Pfund Cocons zog.Mit Hülse der neuesten Wahrnehmungen Frankreichs weiß er seineransehnlichen Magnanerie einen überraschend hohen Reinertrag abzu-gewinnen, zugleich besitzt er einen vollständigen Abhaspelungsapparatund eine sehr zweckmäßige Drehmaschine, mittelst welcher er seineSeide bis zum Verkauf in dem Laden fertig zubereitet.

Achnlich wie in Bayern hebt sich auch in Würtcmberg dieSeidenzucht von Jahr zu Jahr. Bereits im Sommer 1844 warenan 72 Orten Maulbecrbäume angepflanzt und an 20 Orten wirdschon Seidenzucht betrieben. Man hat dort durchgchends den Ertragdieses Industriezweigs höchst lohnend, lohnender gefunden, alsirgend eine andere dort einheimische Cultur nachhaltig einbringt. DerMorgen einer zweckmäßig angelegten Maulbeerpflanzung aus gutemBoden erträgt dort ini ersten Jahr nach der Pflanzung durchschnittlich500, im zweiten 1000 Pfund, im dritten 1500 und so fort, biszum zehnten Jahre, wo der Ertrag auf 5000 Pfd. oder 50 Centnerim Werthe von 66 fl. 40 kr. steigt. Vorn zehnten Jahre an mußbekanntlich die Pflanzung immer so stark Angeschnitten werden, daßdie Bäume nicht mehr größer werden, weil sonst die Ernte sehr er-schwert würde und stets einzelne Pflanzen wegen zu dichten Standesausgenommen werden mußten.

In Preußen wirkte für den Seidenbau vor Allem Regierungs-rath von Türk (wie unser Netz) durch Schrift und That. Zu keiner