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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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Pflanzungen häufig oder als Bäume zu Alleen, an Wegen (stattmit Akazien, Linden- oder Kastanienbäumc»), desgleichen an Feld-rändern auf ständigen Weiden ic. vieler Orten um so mebr sich em-pfehlen, als die, wenigstens theilwcise, alljährliche, zeitige Ablau-bung die Vcrschattung mindert. Vor Allem hätte man hier schick-liche Gelegenheit, das Ernste mit dem Nützlichen und Schönen zuverbinden und, wie in Bayern, die Kirchhöfe ohne Ausnahme zuPflanzschulcn der Seidcnzucht zu machen. Im Großherzogthum Hes-sen hat man die Friedhöfe in neuerer Zeit stets in würdigem Ge-schmack und mit gehöriger Berücksichtigung der örtlichen Lage ange-legt, nur höchst selten aber hierbei in dieser Richtung hin im In-teresse der Gemeinden und vornehmlich der allmähligen Erhöhungder Lchrergehalte gewirkt. Geschieht dieses, wird ein Theil dersämmtlichen Gottesäckcr mit Maulbeerbäumcn und Büschen verziert,überall die unnützen Zäune mit Maulbecrhecken vertauscht, so vieleunnütz daliegende Flächen mittelst dieser Anpflanzungen nutzbringendgemacht und viele der zwecklosen Zierhölzer in Anlagen und großenLustgärten theilwcise mit Buschwerken der weißen Maulbeere ersetzt,dann bedarf es bei uns nicht einmal weiterer besonderer Anlagen,es wird uns auch ohne solche für den Seidenbau Laub genug zurVerfügung stehen. Haben die Bäume und Sträucher jene Stärkeerreicht, wo sie Laub abgeben können, so würde dasselbe an solchePersonen, welche sich zur Seidenraupenzucht bereit erklären, anfäng-lich unentgcldlich, hergegeben werden müssen, bis sich dann spätereine Anzahl von Konkurrenten bildet, unter welchen die Laubnutzungan den Meistbietenden verpachtet werden kann.

Die Auffindung von Liebhabern, welche unter obiger Bedin-gung den Anfang zu machen bereit sind, wird keine Schwierigkeithaben. Ist dann die Seidcnzucht auf den Grund der voi» Staateund den Gemeinden angepflanzten Mauibeerbäume einmal im Gange,so wird sich ihre Ausbreitung, so weit sie gewinnbringend erscheint,schon von selbst machen, denn die Höhe des Pachterlöscs aus demBlätterertrag jener Bäume wird andern Grundbesitzer» die Mittelan die Hand geben, zu berechnen, ob solche Anpflanzungen auchfür sie von Vortheil sein würden, und nach dieser Berechnung wirdsich die Ausbreitung derartiger Anlagen (und dieß im Sinne dergesundesten Grundsätze der Volkswirthschast) abmessen. Mit der Aus-breitung des Seidenbaus und der Nachfrage nach Laub würden die