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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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mit bis jetzt noch nicht der tausendste Theil jenes Verbrauchsquan-tnms innerbalb seiner Grenzen erzeuch! Gewiß abermals ein höchstweites Feld für den Wirkungskreis vaterländischer Vereine zur gründ-lichen Verbesserung des Wohlstands ihrer Umgebung mittelst Er-weiterung dieser in vielfacher Beziehung so wichtigen Erwerbsquelle,welche u. a. dem lombardisch-venctianischen Königreich nebst demsüdlichen Tprol allein setzen Tag 100,000, dem übrigen Italienund China nicht viel weniger, ja Frankreich gar für 220,000, so-mit jede Tag- und Nachtsstunde fast 10,000! Gulden einbringt.Wird mit Beharrlichkeit das Ziel verfolgt und erfreut sich dieser un-sern Landsleuten aus Augenschein noch viel zu wenig gekannte Ge-werbszweig fortwährend der Theilnahme und kräftigen Unterstützungviclvcrmögender hochgestellter Personen und der Staatsverwaltung,wie ihrer verschiedenen Organe, insbesondere auch der Gcwerb- undlandwirthschaftlichen Vereine, so wird unsere deutsche Seidenzuchtsicherlich nicht zum zweitenmal zu solcher Unbedeutendbcit herabsinkcn.Es ist solches um so weniger zu erwarten, als man jetzt die Gründekennt, welche das frühere Mislingcn des Seidenbaus in Deutsch-land herbeigeführt haben, und welche nur in der Anwendung derverkehrtesten Maßregeln, in der Unkcnntniß der Zucht des Maulbeer-baums, sowie der Seidenraupe, kurz in dem vollständigen Mangeleines rationellen Verfahrens zu suchen ist. Gedenken wir nochmalsder Thatschen, daß in der Lombardei I35mal soviel, als verhältnis-mäßig in unserm Zollverein Rohseide erzeugt wird, daß die Zuchtder Seidenraupe von all' unsern heimischen Witternngs- und klima-tischen Verhältnissen unabhängig geworden ist, so daß Nordfrankrcicherst seit 9 Jahren die Seidenzucht als Einnahmsquelle kennt undim Stande schon jetzt ist, für viele Millionen Seide der Verarbei-tung zu übergeben, daß endlich die Scidenfabrikation in England,sowie in einzelnen Tkcilen Preußens in ihrer schönsten Blüthe steht,man dort jetzt wohl 70 Millionen Psund verbraucht, hier schon vor 5Jahren 756,100 Stoffe hergestellt wurden, was 16,664,200 Ellenbeträgt, wofür nicht weniger als für 15,750,000 Gulden ins Aus-land gingen, während über 13 Million als Arbeitsverdienst für Fär-bung und Fabrikation allein in Preußen verblieben stellen wirdiese unumstößlichen Fakta zusammen, so muß es uns Hessen unwill-kührlich aufs lebhafteste gelüsten, einen Zweig der Industrie auch in

Willens Erweiterung >c. 20