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Die Erweiterung und Vervollkommnung des deutschen Gewerbsbetriebs, ein Mittel zur Herstellung des richtigen Verhältnisses zwischen Bevölkerung und deren Bedürfnisse, mit besonderer Rücksicht auf das Grossherzogthum Hessen : eine Denkschrift für jeden wahren Vaterlandsfreund / von Ludwig Wilkens
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Auf den thätigen Beistand der Herrn Geistlichen und Lehrerwird freilich bei Eröffnung all' dieser Nahrungsquellen zumeist ge-rechnet, allein, wie einer ihrer Mitbrüdcr Kromm selbst äußert: die Meisten haben, bei kleinen Orten, nicht viel zu thun und dieswürde ihnen dann, namentlich in den langen Winterabenden, einewürdige Beschäftigung sein. An anderen, größeren Orten bedarf esnur ihrer Mitwirkung beim Anfange; die übrigen tauglichen Männerwürden später ihnen sicher einen Theil der menschenfreundlichen Arbeitabnehmen. Auch ist das zu berücksichtigen, daß die Lehrer, wenn siesich rechte Mühe geben, ohne Zweifel von der Gemeinde eine Be-lohnung empfangen, wodurch sie sich denn in ihrer Einnahme ver-bessern."

Sind die Geistlichen und Lehrer uneigenützige, unverdrosseneund edle Männer, wie der ehrwürdige Oberlin in Steinthal unddie Bürgermeister, wie so viele unserer Gemeinden, begreifen, daß siezur Gründung dieser Erwerbszweige ein kleines Kapital spenden,welches ihnen reichliche Zinsen trägt; gehen die erwachsenen, erfahr-nen Bürger ihren Kindern und Enkeln in der Begeisterung für diehochwichtige Sache mit ihrem guten Beispiele voran, schließen sichdie hohen Stände und die s. g. vornehmen Familien bei der Bethei-ligung daran nicht aus, widmen sie vielmehr möglichst viel Zeit undKräfte der Hebung und Kräftigung ihrer armen Brüder: dann odann gehen wir einer schönen, freudigen Zukunft entgegen."

Mein Ideal ist Oberlins Schöpfung: das Steinthal im Elsaß,jener Zustand im Arnothal, im gebirgischen Neufchateler Canton,den vor Allem der Patriotismus jenes Lissabonner Kaufmanns Purryin solch' erfreulichen Zustand versetzt hat, überhaupt in dem westlichenund nördlichen Theile der Schweiz, dem Märkischen, dem Schwarz-wälder Uhrendistrict und der viel zu wenig noch von uns gekanntenNormandie. In all' diesen industriösen Gegenden verbindet der Ge-werbfleiß mit der Landwirthschaft sich in millionenfachen Verschlin-gungen; der Baumwoll- und Seidenweber, der Uhrmacher oderHolz- und Beinschnitzer ist auch zugleich Landwirth, erzeugt solcher-gestalt seinen Brodbedarf, oder doch einen Theil desselben, seine Kar-toffel, seine Gemüse, seinen Fleisch-, Milch- und Eierbedarf, seinenWein und Obstmost und findet so gegen die nachthciligen Wechsel-fälle des Gewerbswesens in seinem Grundeigenthum, gegen die Un-gunst der landwirthschaftlichen Fehljahre in seinem Gewerbe nicht