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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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Ueber die chemischen Kräfte.

c. Einfluß der Umstände auf die chemischenKräfte.

Die Erfahrung lehrt, daß ein Körper den andern ausseinen Verbindungen verdrängen kann; daraus folgt, daßin den verschiedenen Stoffen unter sonst gleichen Umständendie chemischen Kräfte ungleichmäßig vertheilt sind. Schwe-felwasserstoff wird z. B. unter Ausscheidung von Schwefeldurch Jod zersetzt, Jodwasserstoff durch Brom , Bromwasser-stoff durch Chlor. Diese einfachen Körper folgen also inHinsicht ihrer Vereinigungskraft in dieser Ordnung auf ein-ander; Chlor, Brom , Jod, Schwefel. Von den Metallen:Silber, Kupfer, Blei, Zink, schlägt immer das zunächst fol-gende das vorhergehende aus dessen Auflösung nieder. Dasletzte zeigt also die größte, das erste die geringste Verwandt-schaft. Die Alkalien und alkalischen Erden haben gegenSchwefelsäure in folgender Ordnung die stärkste Affinität:Baryt, Strontian, Kali, Natron, Kalk, Magnesia, Ammoniak.

Gleichwohl erleiden die chemischen Kräfte unter Umstän-den so mannichfache Modificirungen, daß es nach wie vorunmöglich bleibt, bestimmte Regeln darüber festzusetzen. Istz. B. ein Körper flüchtig, so wird er um so leichter ausseinen Verbindungen ausgetrieben, wie die Kohlensäure unddie noch viel stärkere Salzsäure; Phosphorsäure ist durchihre Feuerbeständigkeit im Stande, selbst die Schwefelsäurezu verjagen. Auch die sehr schwache Kieselsäure, welcheaber nicht flüchtig ist, treibt manche anderen stärkeren Säurenbeim Glühen aus.

Durch die Neigung eines Körpers, eine unauflöslicheVerbindung einzugehen, wird die Vereinigungskraft bedeu-tend unterstützt. Kohlensaures und essigsaures Kali lieferndafür ein treffendes Beispiel. Ist kohlensaures Kali imWasser gelös't, so wird die Kohlensäure durch Essigsäureausgetrieben; aber in Alkohol gelöstes essigsaures Kali wird