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Ueber,die chemische» Kräfte.
Lust Eisen und Sauerstoff ein Vereinigungsbestreben haben,daß aber noch kein Verhältniß zwischen den Kräften (X)und (O) besteht, so orydirt sich das Eisen nicht. Dies istder Fall in trockner Lust. Durch Erhitzen des Eisens wirddarin die Kraft (K), und in dem umgebenden Sauerstoffdie (0) Kraft geweckt. Nur dann, wenn unter diesen Ver-hältnissen die beiden entgegengesetzten Kräfte ein gleich gro-ßes Marimum bekommen, findet Neutralisation und Vereini-gung zu Eisenorydul Statt. Dies Marimum wird in schwa-cher Rothgliihhitze erreicht. Erhitzen wir Eisenorydul undSauerstoff noch höher, so wachsen die Kräfte von Neuem,und wenn sie wiederum ein Marimum erreicht haben, wirdEisenoryd gebildet.
Wieder ganz anders müssen wir uns die Entstehunganderer Verbindungen erklären. Der Schwefel z. B. ory-dirt sich zu schwefliger Säure oder Schwefelsäure nur unterbestimmten und ganz verschiedenen Verhältnissen.
Bei der Verbrennung in der Lust wird durch die hoheTemperatur im Schwefel die Kraft (K) und im Sauerstoff(0) geweckt, in dem Maaße, daß in Folge ihrer Neutralisa-tion schweflige Säure entsteht. Ganz anders verhält es sichmit der Oxydation zu Schwefelsäure. Hier kommt die schwef-lige Säure mit einem Stoff in Berührung, welcher bekannt-lich in anderen Körpern die chemische Thätigkeit anregenund dabei selbst 1 Aeq. Sauerstoff abgeben kann, nämlichdie salpetrige Säure ^0z. Diese weckt in der schwefligenSäure die Kraft (K) von Neuem und befördert die Verei-nigung mit 1 Aeq. Sauerstoff noch dadurch, daß sie jener,wie wir uns ausdrücken, den Sauerstoff im 8tat,i imsovntidarbietet; mit anderen Worten: die schweflige Säure, welchemit freiem Sauerstoff gemengt sich nicht orydirt, vereinigtsich leicht mit dem der salpetrigen Säure, weil diese derKraft (X) der schwefligen Säure ein entsprechendes Quan-tum (0) entgegengesetzt. Denn der Sauerstoff muß in dem