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Versuch einer allgemeinen physiologischen Chemie / von G. J. Mulder ; mit eigenen Zusätzen des Verfassers für diese deutsche Ausgabe seines Werkes
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Ueber die chemischen Kräfte.

Stoffwechsel sich den Bestandtheilen des Blutes mittheilenund die Gallenabsonderung u s. w. unterhalten. Ist umge-kehrt das Blut in Zersetzung begriffen, so muß die Thätig-keit sich auf die Elemente der Lebersubstanz fortpflanzen.Derselbe Proceß wiederholt sich in allen übrigen Organen.

Wie aber die Zersetzung ursprünglich beginnt, ob sievom Blut oder dem abscheidenden Organ ausgeht, oder obbeide gleichzeitig daran Theil haben, wissen wir eben so we-nig, als uns bekannt ist, wie der erste Keim zu einem gan-zen Organ, von der Leber entsteht, oder wie der Samen desThieres zu einem Thier wird. Aber das Anhalten der Wir-kung und die Fortdauer der Abscheidung schließt sich ganz engan manche andere Erscheinungen, welche wir für sich beobach-ten können, und welche über diese thierischen Functionen vielLicht verbreiten; vor Allem der Gährungsproceß. Aus denGährungserscheinungen hat besonders Liebig viel geschöpft,um seine Ideen zu veranschaulichen; darum wollen auch wirsie uns zu Nutze machen.

Hefe verwandelt den Zucker in Alkohol und Kohlensäuredurch ihre eigene Zersetzung, welche sich einfach dem Zuckermittheilt. Setzen wir für »Hefe--, »Blut« und für »Zucker«»Leber«, so wird uns die Absonderung der Galle mehr oderweniger begreiflich. Das Blut wechselt unaufhörlich seineBestandtheile. Stetiger Stoffwechsel ist für die organischenKörper Hauptbedingung ihrer Fortdauer. Die Leber nimmtfortwährend neue Stoffe auf, während sie andere verliert.Das versteht man unter Ernährung.

Bei dieser Umsetzung des Blutes in Lebersubstanz wer-den chemische Kräfte geweckt, welche sich den Elementen desBlutes mittheilen und so die Gallenbildung veranlassen,was um so eher geschieht, als das Blut selbst schon in be-ständiger Zersetzung begriffen ist und daher dem erhaltenenEindruck keinen Widerstand entgegensetzt. Die Wirkung ver-ändert sich mit dem Eindruck. Daher die große Mannigfal-