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Ueber die chemischen Kräfte.
Protein.CJHÄOu + 0 4
in Humussäure . + 0 13 + H 2 0
und Ammoniak . IT i0 N l0
Alle diese Veränderungen, ich wiederhole es, schließensich an eine in der unorganischen Chemie gewöhnliche Er-scheinung, die Oxydation z. B. des Eisens, Kaliums u. s. w.an der Lust.
Eine solche Vereinigung des Wasserstoffs oder Kohlen-stoffs, oder beider mit Sauerstoff, hat man wohl eine Ver-brennung genannt. Sie kann in der That damit ver-glichen werden. Der Unterschied indessen zwischen jenen Ver-änderungen der Stoffe durch Oxydation und der Verbren-nung ist der, daß letztere durch eine höhere Temperatur her-vorgebracht wird und eine totale Umsetzung der Elementezur Folge hat, während jener eine einfache Störung des Gleich-gewichts der chemischen Kräfte zum Grunde liegt; Kräfte, welchewährend der Lebensthätigkeit des Thiers oder der Pflanze, de-nen die Stoffe angehören, modificirt sind und welche unter ge-wissen Umständen, namentlich in der Kälte und bei Trockniß, un-verändert wirksam bleiben, welche aber bei Feuchtigkeit undWärme, besonders durch letztere eine Störung erleiden undneuen Kräften Platz machen. Diese letzteren äußern sich in demBestreben, den Wasserstoff und Kohlenstoff zu orydiren; sietreten in Wirksamkeit, sobald andere ruhen, und wirken umso energischer, je vollkommner das Gleichgewicht der über-wundenen Kräfte gestört ist, wie bei der trocknen Destilla-tion organischer Verbindungen. Bei geringerer Intensitätderselben bleibt eine neue Anzahl von Kohlenstoff-, Wasser-stoff- und Sauerstoff-Atomen in einem andern Verhältnißund in innigerer Verbindung vereinigt. Die Verwandlungdes Zuckers in Alkohol und Kohlensäure liefert dafür eindeutliches Beispiel.
Man glaube indessen nicht, daß der Sauerstoff aus-nahmsweise das Vermögen besitzt, andere Stoffe anzugreifen.