70 CAPCUT X. Von Zeug⸗ Haͤuſern.
evon Seug⸗Haͤuſern.
F. 266. ieſe Gattung von Gebaͤuden ſchreibet ſich nicht aus dem Alterthum her, ſondernnimmt erſt ihren Urſprung nach Erfindung des Pulvers, maſſen das hauptſaͤch-lichſte, ſo darinn enthalten, und verwahret wird, ſolche Waffen und Gewehr ſind,
welche mit Schies⸗Pulver geladen werden, und was darzu noͤthig, ins beſondereiſt es ein Aufenthalt des ſo genannten groben Geſchuͤtzes, welches wohl verdienet, daß es
einen eigenen ordentlichen und ſichern Ort zur Verwahrung habe; Worzu nun eben kein
hohes Gebaͤude noͤthig waͤre, da die Canonen⸗Laͤufe und Moͤrſer ſich ohne groſſe Mühenicht in die Hoͤhe bringen laſſen; Allein da doch dieſerwegen ein ziemlicher Raum noͤthigiſt, ſo ſucht man dieſen noch beſſer zu nutzen, und üͤberbauet den Raum, der zu dem grobenGeſchuͤtz erfordert wird, noch mit ein oder zwey Etagen, um in ſelben das kleine Geſchüͤtzbewahren zu koͤnnen und vorraͤthig beyſammen in guter Ordnung zu haben.§. 267. Wir treffen nun in allen Staͤdten, an welchen nur einige Befeſtigung befindlich,Zeug⸗Haͤuſer an, vornehmlich aber in groſſer Herren Kelidenz. Staͤdten, die gemeiniglichauch befeſtiget ſind, und daher Geſchuͤtz zur Defenſion noͤthig haben, ſie muͤſſen aber nichtnur ſo reich mit Geſchuͤtz verſehen ſeyn, als ihre eigene Defenſion bedarf, ſondern ſie muͤſ-ſen gar andere Staͤdte und Feſtungen im Fall der Noth damit verſehen und verſorgen,ja gantze zu Felde ziehende Armeen bewaffnen koͤnnen. Daher auch die Zeug⸗Haͤuſer inRelidenzen oder Haupt⸗Staͤdten gantzer Republiquen ſehr groß und weitlaͤuftig, auchwohl garniret ſeyn muͤſſen, ja es ſind wohl deren mehr als eins verhanden.F. 208. Gedruckte Vorſchriften, wie dieſe Gebaͤude einzurichten, werden wir auſſer Surireyde St. Remi, Goldmann und Sturmen wohl nicht viel finden, doch koͤnte Faͤſches Del-ſein eines Zeug⸗Hauſes wohl noch darzu rechnen, welches, ob es gleich mit keinem weit-laͤuftigen Teyt verſehen, dennoch bey denen Zeichnungen alle Namen, was jedes bedeu-ten ſoll, beygefuͤget hat, daß man ſich leicht eine gute Idee daraus machen kan. Alle vierallegirte Autores erfordern einen groſſen Platz zu einem Zeug⸗Hauſe, den groͤſten aberdoch Goldmann und Faͤſch, da nicht nur das eigentliche Zeug⸗Haus darauf befindlich mitbreiten darum liegenden freyen Raum, ſondern auch ſo viel andere Gebaͤude, die eineVerwandſchaft mit einem Zeug⸗Hauſe haben, um den freyen Raum verhanden, wodurchein gar groſſer Platz der Stadt eingenommen wird. Koͤnte man einen groſſen Platz darzuhaben, ſo iſt es allerdings gut, wenn man alles zuſammen gehoͤrige beyſammen hat, dochmuß der 1 e nicht gar zu enorm ſeyn, indem dadurch dem Stadt⸗Raumgar zu viel abgehet. 5 öF. 269. Surirey giebt ins beſondere das Zeug⸗Haus zu Mont roial zum Beyſpiel an, wor-zu ein Platz angenommen, der 200. Fuß und druͤber lang und breit iſt; in deſſen Mittedas eigentliche Zeug⸗Haus iſt, an weſſen drey Seiten ein Hof rum gehet. Die vordereFace des gantzen Wercks laͤßt in der Mitte die Giebel⸗Seite des Zeug⸗Hauſes, darnebenzu beyden Seiten Thore zu dem Hof, und an den Ecken Gebaͤude und Wohnungen vor
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die Officiers, ſo beym Zeug⸗Hauſe noͤthig, ſehen; die uͤbrige drey Seiten ſind mit Schop-
pen und Wohnungen auch Werckſtaͤtten vor Arbeits⸗Leuthe umgeben. In der unternEtage des Zeug⸗Hauſes ſind die Katfeten und Protz Waͤgen. In der zweyten Etage iſtklein Schieß⸗Gewehr auf den Boͤden, ſo dreyfach über einander ſind, unten Tonnen mitLunten, in der Mitten allerhand Werckzeug theils ohn theils mit Stielen und Handgrif-fen, und oben unter der Foͤrſte ſind Kaſten mit Munition. Unter einigen der Schoppeniſt allerhand Holtz und Bohlenwerck zu Lalfeten und dergleichen. Auf dem Hofe liegenauf Lager⸗Hoͤltzern die Laͤuffe der Stuͤcke von verſchiedener Art und Groͤſſe, jedoch mit denMundſtuͤcken tiefer als mit den Bodenſtuͤcken, damit nicht das Regen⸗Waſſer in die Seelerein lauffe. Auch ſtehen Moͤrſer auf eiſernen Lalfeten unter freyem Himmel, auch ſiegenBomben, Granaten und Stück⸗ Kugeln von verſchiedenem Caliber unter freyem Hlm-1365 5 10 5 die e e habend, daß es nicht rein regnen konne. 11dor hat in ſeiner Science des Ingenieurs&c. ein Deſſein eines Zeug⸗Hauſes, ſo vie
Gleichheit mit hier beſchriebenem hat. e
F. 270. Goldmann ordnet neben einander um einen freyen Platz herum liegende Tonnen-
Gewoͤlbe an, ſo vorn und hinten offen, worunter die Canons auf ihren Lalleten ſtehen,und jedes vor ſich fuͤglich aus⸗ und eingebracht werden kan, darneben ſolten Behaͤltniſſezum Lade⸗Zeug jedes Stuͤcks ſeyn, welches ſowohl wie die Stuͤcke numeriret ſeyn müßte,um nichts verwechſeln zu koͤnnen. Über die Tonnen⸗Gewoͤlbe ſolte noch ein Geſchoß ge-bauet ſeyn darinn die Mousqueten auf langen Tafeln zu legen. Auch ſolte noch zu klei-nem Geſchuͤtz ein langes Gebaͤude und ſolches wohl Creutzweis angeleget werden. Umdas Zeug⸗Haus herum ſolten vier Pulver⸗Thuͤrne von beſonderer Srruckur ſeyn, um denPlatz des Zeug⸗Hauſes herum aber ſolten die Zeug⸗Haus ⸗Bediente und W
8 5 wohnen