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Sciagraphia artis tignariae, oder nutzliche Eröffnung zu der sichern fundamentalen Holz-Verbindung, bey dem Gebrauch der unentbehrlichen Zimmermanns-Kunst / von Johann Jacob Schübler
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gelangen kan. Denn die Experimentirung mit dieser simplen Weise die Laften auszuwägen, dieein jedes Bieg unterzogen ist, hat in allen Fällen der veränderten Winckel einerley Proceß, dashero ihr Fig. 114. so wohl das horizontal angespannte Seil ben dem Schieb. Bieg nach der Si- Fig. 114.nus- Grösse DF. über die Rolle V. und U. auf solche Weise ordnen, als auch bey dem Trag- Biegnach der Sinus- Gröffe KM. über die Rolle W. gleiches Procedere unternehmen müffet, wie ihraus einer Meinen Attention von selbsten erkennen möget. Indeme aber diese eure wohlbegriffesne Erfahrung euch zu unglaublichen vortheilhafften Verbindungen gleich am bey der Hand führen kan, so habe ich doch nicht ermangeln wollen, denen zum besten, so im Nachdencken noch Fig. 122.nicht so weit geübet find, hier Fig. 122, 123, 124, 125. und 126. beyzufügen, daß ihr nach selbis10.126.- 126.gen, so zu redent, spielend auf Gedancken gebracht werdet, maffen ihr aus Fig. 122. beŋ Armi-rung des Schenckels A B. in die Stand Säule AC. vor Augen seher, wie 2. dergleichen Holager, wenn fie unten bey B. und C. horizontal gestellt werden, selbige frey aufrecht stehen bleiben,und daß demnach das Bieg AB. wegen ihrer natürlichen Schwehre die Stands Säule obenbey A. nicht auffer der senckrechten Linie hinüber drucken kan, sondern ein Bieg B A. nach einemWinckel A. oder B. von 45. Grad also verbunden, und sonder einer wesentlichen Druckung obenbey A. beständig ist, woraus erhellet, daß man in der Zimmermanns Kunst viele dergleichenCreuz- Bande BA. verbunden findet, welche nach gewissen Fällen gang fruchiloß, nichts als eisne Holt- Hauffung abgeben, und nur den Kosten des Baues vermehren helffen.

§. 129.

In Fig. 123. erhellet noch mehr, daß das Bieg BA. für sich selbsten oben bey C. wenig Krafft Fig. 123.hat, sich unter sich zu neigen, wenn es unten bey A. in das Lager- Holk AB. genugsam vest gemachtist, denn es bleibet fo wohl A B. horizontal unbeweglich liegen, als auch das versetzte Bieg AC.aufwarts gestellt eben so unwandelbahr über dem Lager Holz AB. schreg geneigt hangend, alswie hier in Fig. 123. deutlich ausgedrucket stehet, mithin wird offenbahr und vollständig zu besgreiffen seyn, wenn man an das Holz AB. bey B, und oben an das Holz AC. bey C. eine Verti-cal- ftehende Säule anschiebet, die für sich durch keine seitwarts druckende Krafft an den punctC. und B. drengen fan, das schrege Holh AC. ein völliges Ruhe Holk, und also unnußbar wird,weil es keine andere Würckung hat/ als unten ben A. verseket zu seyn, wo das punctum B. unster sich sincken sollte, das punctum A. alsdenn zum aufwarts steigen verleitet würde. BleibetDerowegen in Ansehung dieser Eigenschafft das Creuk, oder Ruhe Bieg nicht von der Zimmersmanns Kunst gesondert, anerwogen dieser leht berührte Effect in vernünfftiger Holz- Verbindungnach den Reguln der Static Grund hat und wo man auf jede Druckung ins besondere regardiret,ja der druckenden Krafft hinein oder herauswärts, auf und abwärts, lincks und rechts, und indie Rundung herum nach allerhand Winckeln durch Contra Druckung vorbeugen will. Weilnun meines Wissens von allen diefen Dingen in der Bau Kunft Silentium erfolgt, und die meisften Baumeistere das Zimmer Holz nach Gefallen mehrentheils gewöhnlicher massen trenchirenlaffen, so will ich um nicht zu gleichmässigen empirischen Unternehmungen keine Polster unterslegen, und denenjenigen Baumeistern, so über dergleichen Reflectirungen Minen machen, alsob es nur Subtilitäten wären, gerne fie auf ihrer einen Saiten fortstreichen lassen, weil die ohne Vor Urtheil eingenommene Lehrbegierige Gemüther bey einem gereinigten Geschmack etwasganz anders kosten werden. Mit einem Wort aus Fig. 124, 125, und 126. wird denen genugsam Fig. 124vor Augen gestellt seyn, welche bisher gar nicht gewuft haben, wie man sich mit denen über-hängenden Biegen oder Streben sich solle einen Vortheil zuwege bringen. Ich habe daheronicht umhin gekonnt, hier in Fig. 126. das Holh ab. und cb. vorzustellen, und damit weisenwollen, wie da konne ein langes schreg liegendes frenhängendes Holg in ein kleineres ho-rizontal- aufliegendes Holz bey b. versetzet werden, daß das punctum a, wenn b. nicht nachgiesbet, sich nicht eleviren könne. Dergleichen auch unter den 2. Gewichten B. und D. schon zuconcipiren stehet, welche an die 2. ungleichen Arme BA. und AC. in Aequilibrio hången bleiben,und die bengeschriebene geometrische Zahlen, deuten so zu reden mit dem Finger auf die Propor-tion, unter welcher dieses Vermögen in der Zimmermanns, Kunst, start haben kan. Dieweilaber die Entreprenneurs felten die ereigneten Fälle ohne flar gemachte Exempel genugsam pene-triren, so will ich mich bey dieser Materie ein wenig mehr expliciren, und in Tab. 11. und 12.durch blosse Versetzung der Hölter nach allerhand Winckeln so viel zeigen, was man bißhero inden Schrifften der Bau Kunst vergeblich gesucht viel weniger durch wahrhaffteModelle den Wercfleuten demonftrativisch und begreifflich ges

macht hat.

& c.

CAP.