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Neunter Band.
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Ultramarin. 13

Deutschland röstete man früher in eisernen Cylindern, welche hori-zontal über einem Feuerraum eingemauert sind und durch derenMitte eine Flügelwelle läuft, die beim Umdrehen die Oberfläche derFarbe beständig erneuert. Heutzutage wird auf Heerden geröstetwelche aus einer gusseisernen Platte bestehen oder aus solchen vonChamott zusammengesetzt sind. Der Heerdraum ist vorn zum Ein-bringen der tarbe mit einer eisernen Thür versehen und hinten zu-gemauert. Im Gewölbe befindet sich eine Oeffnung, durch welchedie schweflige Säure in das grosse Kamin abzieht. Die Flamme ver-theilt sich in Canälen um den ganzen Heerdraum herum. Die Farbewird 1 bis l x / 2 Zoll hoch auf dem Heerde ausgebreitet und gelinde ge-feuert, bis darauf geworfener Schwefel sich entzündet. Alsdann trägtman eine Portion Schwefel ein, mischt diesen mit Krücken unter dieFarbe, lässt abbrennen und wiederholt dieses so oft, bis herausgenom-mene Proben keine Verbesserung der Farbe mehr anzeigen. Die Hitzedarf nicht über die Entzündungstemperatur des Schwefels kommen unddie Luft nicht übermässig zutreten. Bei zu heftiger Hitze geht diefertige blaue Farbe, wie schon Gmelin beobachtete, wieder in Grünüber. Gentele hat vorgeschlagen, grünes Ultramarin durch öfteresEindampfen mit Salmiak in blaues umzuwandeln, da dieser auch imgrössten Uebermaass angewendet nichts schade.

Neuerdings hat man den Glüh- und Iiöstprocess in der Weise zueiner Operation vereinigt, dass man die Tiegel oder Kästen nicht mehrhermetisch verschliesst, sondern in den Glühöfen mit geeigneten Vor-richtungen den Luftzutritt so regulirt, dass die Farbe gleich in einerOperation blau gebrannt wird. Es ist einleuchtend, dass hierdurcheine bedeutende Vereinfachung der Fabrikation erzielt wird, wenn auchdie Leitung eines solchen Brandes noch mehr Aufmerksamkeit undSorgfalt erfordert.

Die blaue Farbe wird nun ausgelaugt, mit Wasser zu einemziemlich dicken Brei angemacht und auf besonders construirtensogenannten Nassmühlen zu vollendeter Feinheit gebracht. Mankann sie alsdann durch Eindampfen oder Filtriren trocknen undschliesslich durch feine Seidesiebe schlagen. Wie aus den S. 8 an-geführten Analysen hervorgeht, enthalten die Ultramarine sehr unglei-che Mengen Schwefel. Dies rührt daher, dass beim Rösten oft unver-brannter nicht chemisch gebundener Schwefel in der Farbe zurück-bleibt. Um diesen zu entfernen, muss man die Hitze im TrockenofenSo steigern, dass er sich vollständig verflüchtigt. Guignet 1 ) hat zurAuffindung des freien Schwefels vorgeschlagen, die Ultramarine mitSchwefelkohlenstoff zu digeriren. — Nach Fürstenau erhält man aus100 Theilen gebranntem Kaolin 122 Thle. fertiges Ultramarin.

Ueber den färbenden Bestandtheil des Ultramarins und seine ratio-nelle Zusammensetzung sind verschiedene Ansichten aufgestellt. Wir ha-ben an mehreren Stellen erwähnt, dass die Ansicht heute durchaus unhalt-bar ist, das Eisen bedinge die Farbe. Gmelin schrieb dem Schwefeleinen Hauptautheil an der Farbebildung zu und vermuthete, dass un-terschwefligsaures Natron oder auch Schwefelnatrium und schwefelsauresNatron im Ultramarin enthalten seien. Schweigger 2 ) sagt, alles

1 ) Eepert. chim. appUq ue ' e 18G1, p. 427.

2 ) Scliweigger’a Journ. Bd. LIV, S. 380.