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Neunter Band.
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148 Ventilation.

noch nichts von Zugluft. Die mittlere jährliche Geschwindigkeit derLuft beträgt an vielen Orten (z. B. in München) 10 Fuss in der Se-cunde. Eine solche Geschwindigkeit ist dem civilisirten Menschen fürbeständig gewiss unangenehm, und er sucht Schutz dagegen in seinerWohnung, in welcher er sich mit einer viel geringeren Lufterneuerungbegnügt. Um einen Maassstab für den Vergleich des Luftwechsels in 1Freien und in der Wohnung zu gewinnen, denke man sich ein Zimmer15 Fuss lang und breit und 15 Fuss hoch, was einen Luftcubus von3375 Cubikfuss fasst. Wenn dieses für eine Person eben hinlänglichgrosse Zimmer eine Ventilation von 3375 Cubikfuss in der Stunde hat,mithin stündlich diese Luftmenge ab- und zufliesst, so kann man sichersein, dass die Luft, wenn sie nur von einem Menschen benutzt wird,stets vorzüglich gut bleiben wird. Denkt man sich nun ferner diesesZimmer isolirt in die freie Luft gestellt und zwei gegenüberliegendeWände herausgenommen, so dass die Luft genau in ihrer Windrichtungfrei durchstreichen könnte, so findet man, wie viel Luft innerhalb die*ses Rahmens einer Wand mit einem Querschnitt von 225 QuadratfusSbei verschiedener Geschwindigkeit im Freien durchgehen würde. Nimm 1man die Geschwindigkeit der Windstille (2 Fuss in der Secunde) amso ergiebt sich, dass in der Minute 27000 Cubikfuss zu- und abströmenwürden, mithin in einer Stunde 1620000 Cubikfuss. Nimmt man abergar die mittlere Geschwindigkeit der Luft (10 Fuss in der Secunde) amso erhält man für diesen Raum einen Luftwechsel von 135000 Cubikfussin der Minute und von 8100000 in der Stunde. Für diesen gegebenenRaum eines Zimmers beträgt somit der Luftwechsel im B’reien stünd-lich das 480fache des Inhalts noch bei Windstille, und das 24001'achebei mittlerer Geschwindigkeit der Atmosphäre. Hieraus ist zunächstzu ersehen, wie verhältnissmässig gering der Luftwechsel in unserenbest ventilirten Wohnräumen gegenüber dem Luftwechsel im Freien zusein braucht, und wie bescheiden die Anforderung ist, in einem fürMenschen bestimmten Wohnraum pro Stunde und Kopf etwa nur 60Cubikmeter frischer Luft zuzuführen.

Wie ist es nun anzustellen, um einen Anhaltspunkt zu gewinnemwie viel Luftzufuhr in einem Wohnraum man für einen Menschen i°einer bestimmten Zeit verlangen soll? Pettenkofer hat den Satz auf-gestellt: die Menge der durch die Ventilation zuzuführenden Luft mussdie Menge der Luft, welche in der gleichen Zeit ausgeatlimet wird)wenigstens in dem Verhältnis» übertreffen, in welchem der Kohlen-Säuregehalt der ausgeathmeten Luft grösser ist, als die Differenz zwi-schen dem Kohlensäuregehalt der freien Luft und einer Zimmerluft, i°welcher der Mensch erfahrungsgemäss auf längere Zeit ohne Unbehag-lichkeit sich befinden kann. Der Kohlensäuregehalt der ausgeathmetenLuft beträgt etwa 4 Proc. oder 40 pro mille, der mittlere Kohlensäure-gehalt der freien Luft 0,5 pro mille und der Kohlensäuregehalt einetguten Zimmerluft nach Pettenkofer’s oben angegebenen Untersu-chungen im Durchschnitt nicht über 0,7 pro mille. Hieraus ergieb*

40

sich ——- = 200. Wenn also ein Mensch oder eine Anzahl von Men-

sehen in einem geschlossenen Raum athmen, so müssen wir das 20dfach eVolum der ausgeathmeten Luft an frischer Luft in jedem Zeitmomentzuführen, wenn die Luft im Raum stets gut bleiben soll. Wenn hier-nach ein Mensch stündlich 300 Liter Luft in einem Zimmer ausathmeh