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Die antiken Gold- und Silber-Monumente des K.K. Münz- und Antiken-Cabinettes in Wien / beschrieben von Joseph Arneth
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der sie gewidmet hat, denn es heisst: KPEI&I2NI02 H&HKH TON? 2TH&AN0N; Krithoniosweihte diesen Kranz. Wer Krithonios war, ist his jetzt nicht bekannt 1 ).

Der Kranz besteht aus einem Zweige von Eichen, der die Grundlage bildet, woraufalles übrige ruht, und auf welchem alle anderen Früchte, Blumen und Figuren aufgearbei-tet sind. Ausser dem Eichenzweige sind die Blumen und Gewinde der Astern, deren neunmit blauer Schmelz ausgefüllt, und in äusserer Umgebung aufblühend der Convolvulus, wo-von sechs Blumen mit blauer Schmelz verziert sind. Ausserdem winden sich noch Nar-cissen, Eplieu, Rosen, Myrthen sinnig untereinander. Alle diese Blumen halten zu obersteine geflügelte Göttin, über deren mit Blumen wie mit Gräsern verziertem Haupte auf zar-tem Stängel eine Rose emporragt. Die Göttin steht auf einer Basis, worauf die Inschriftangebracht ist. Auf diese Hauptfigur weisen vier beflügelte nackte Genien und zwei beklei-dete Victorien hin.

Diese Figur ist die nämliche, deren Kopf so oft auf Vasen vorkömmt, worauf einHeroon oder eine Grabesstelle gemahlt; sie ist Kora, Proserpina, Libera, das Symbol derUnterwelt. Avellino hat viele Stellen der Klassiker gesammelt, um zu beweisen, dass Kränzein die Gräber mitgegeben wurden; ausser diesen so wohl gewählten Stellen beweist diesenGebrauch die Auffindung des Kranzes selbst und die oftmalige Anbringung der Kränze aufVasen, deren die meisten dazu bestimmt waren, die Gräber zu schmücken. Alexander 2 ) derGrosse krönte das Grabmahl des Achilles und Hephästion, auch jenes des Patroklos. Von denGriechen vererbte sich die Gewohnheit, den Todten Kränze zu opfern und aufzusetzen, inganz ähnlicher Weise auf die Römer.

Die Kränze, die den Todten in die Begräbnisse mitgegeben oder ihnen selbst aufge-setzt wurden, richteten sich je nach dem Reichthume der Gefeierten und der Widmer. Sohat Augustus 3 ) das Grab Alexanders des Grossen mit Kronen und Blumen verherrlicht.

Unter den Gewächsen und Blumen, mit denen man die Todten ehrte, waren vorzüg-lich der Ölilbaum, die Pappel, der Lorbeer, und wie unser Kranz beweiset, die Eiche.Die hohe Eiche zeiget die Früchte, auf der mittleren schwingen sich die Bienen 4 ).

Schon die heidnischen Dichter schildern den künftigen Aufenthalt der frommen See-len mit den schönsten Farben reizender Gegenden, so wie die christlichen Architekten inden deutschen Domen die Bilder der ganzen Natur zusammenhäuften, um den FussschemmelGottes daraus zu machen.

Auf ein heiteres Jenseits beziehen sich alle Gegenstände dieses merkwürdigen Kran-zes, der, so gut er gearbeitet ist, nicht erstaunen macht, wenn man die Schönheit der Ar-beit auf den Münzen Lucaniens betrachtet, die etwa zu gleicher Zeit mit demselben gemachtworden sein dürften, wie die guten von Grumentum, dem wahrscheinlich alten Orte desheutigen Armento, besonders aber von Heraklea, Metapontum, Paestum, Sybaris, Thurium,Velia, oder die dort gefundenen schönen Vasen beweisen.

') Wie häufig Kränze in die Gräber mitgegeben wurden, beweisen die Funde in der Krimm, bei Kertsch, und unter anderen Inschrif-ten auch folgende zu Parikia auf Paros, die Leake (Travels in Northern Greece III. PI. XXV. 121) mittheilt: u bot au kaiO AHM 02 ETIMH2AN EHJNIKON EHINIKOT KPT2P.I 2TE<bAKP.l IUI EI KI MAPMAPINIJI.a ) Aelian. V. H. 1. XII. c. 7. Arrian de exp. Alex. 1. I. c. 12. Curtius 1. II. c. 4.

3 ) Suetonius. Aug. c. 18.

4 ) Hesiod. Op. 232.