68 Mißgeschick der psychischen Philosophie d. griech. Schulen.
ein Antichthvn (Gegenerde) gebe, die auf der andern Seileder Sonne stehe, und daher für uns unsichtbar sey. Ihre Mei-nung über die Verhältnisse der Zahlen führte sie eben so zu ver-schiedenen anderen Speculationen über die Stellungen undDistanzen der Planeten, und da sie früher schon gewisse Verhält-nisse zwischen Distanzen und musikalischen Noten gefunden hatten,so dachten sie sich, auf diesen Grund hin, die Musik der Sphä-ren aus. Obschon wir also in der Physik der Griechen vergebensnach irgend besseren Resultaten, als die vorhergehenden suchen, sodarf es uns doch nicht überraschen, daß mehrere Schriftstellerden Werth dieser griechischen Philvsvpheme viel höher schätzen,wenn wir bedenken, in welchem Grade der menschliche Geist, soviele Jahrhunderte durch, von der Bewunderung des classischenAlterthums erfüllt gewesen ist. Unter diesen Bewunderern nenntman Du teils, der im Jahr 1766 seinen „Ursprung der denNeuern zugelegten Entdeckungen« herausgegeben hat, und inwelchem gezeigt wird, daß unsere berühmtesten Physiker dengrößten Theil ihrer Entdeckungen aus den Werken der Altengenommen haben. Die Absicht dieses Werkes ist, wie manerwarten kann, dieß aus den Auslegungen der allgemeine»Phrasen, welche diese Alten gebraucht haben, zu beweisen. Wen»z. B. Timäus in dem Dialog dieses Namens von Plato, vondem Schöpfer der Welt sagt „daß er in diese Welt zwei„Kräfte, die Quellen der Bewegungen derselben und der verschieb„denen Dinge gelegt habe,« so findet Dutens ') in dieser Red«einen klaren Beweis von der Central- und Tangential-Kraft dekneuern Mechanik. Ganz eben so hatte er auch in den gewöhn*lichen Declamationen der Pythagoräer und Platoniker über dieVerhältnisse der Zahlen im Universum, den Zusammenhang die*seS Geredes mit dem Gesetze des verkehrten Quadrats der Eni*fernung entdeckt, welches der allgemeinen Gravitation zu Grundeliegt, obschon er gesteht'), daß eö all' den Scharfsinn Ne>»*tons und seiner Nachfolger bedurfte, diese Entdeckung aus de»kargen Fragmenten herauszufinden, durch welche sie uns übet*liefert worden sind.
1) Timäus SS n.
2) KNit. III. S. 83.
3) Ikiil. S- 88.