Band 
[Erster und zweiter Theil.]
Seite
72
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72 Mißgeschick der psychischen Philosophie d. griech. Schulen.

„ten Vernunftschlüssen nahe an Wahnsinn glänzte, solche Mei-nungen von den Thatsachen aufzustellen, weil doch keiner so»thöricht seyn wird, Feuer und Wasser für eines zu halten, so»verfolgte Leucipp einen anderen Weg, der mit der Sensation»besser übereinstimmte, und der doch wenigstens nicht mehr im»Widersprüche stand mit der Erzeugung und dem Untergänge,»mit der Bewegung und der Abwechslung aller Dinge." Mansieht daraus klar, das; die Schule, zu welcher Leucipp gehörte(die eclectische), wenigstens anfänglich von der Nothwendigkeitdurchdrungen gewesen seyn muß, daß jede philosophische Theorievor allem mit den Erscheiuuugen der Natur in Uebereinstimmunggebracht werden muß.

2) Auch war diese Anerkennung des große» Werthes der Beob-achtung nicht bloß eine leere Deklamation, sondern die griechischePhilosophie ging, gleich anfangs, bloß von Beobachtungen aus.Es ist zuerst klar, daß sie diese ihre Principien nur in der Ab-sicht annahmen, um dadurch mehrere ganze Klassen von Erschei-nungen darzustellen, so unvollkommen ihnen auch dieses zuweilengelingen mochte. Das Princip, daß jedes Ding seine eigeneStelle suche, wurde bloß ausgcdacht, um dadurch die Erschei-nungen der fallenden und die der aufwärts strebenden Körper(wie z. B. die des Feuers) zu erklären. Eben so, wenn Aristo-teles sagt, daß die Wärme dasjenige ist, was die Dinge vonderselben Art zusammenbringt, und die Kälte das, was dieDinge von derselben und auch von verschiedener Art zusammen-bringt, so will er offenbar durch dieses sogenannte Princip diebekannten Erscheinungen erklären, wie feuchte Dinge in derKälte frieren, und wie durch Schmelzung andere Dinge getrenntwerden. Denn, setzt er hinzu, wie das Feuer einander unver-wandte Dinge vereinigt^ so trennt es auch wieder die einanderverwandten. Man könnte leicht noch mehrere solche Beweiseanführen, wenn nicht die Sache schon für sich selbst so deutlichwäre. Denn wie konnte man doch ein Princip, gleichsam wiefür einen Augenblick, aus Uebermuth oder Eigensinn, auf Gerade-wohl annehmen, wenn es nicht einigermaßen wenigstens an-nehmbar ist, wenn eS nicht, scheinbar wenigstens, mit derNatur und der Erfahrung im Einklänge steht.