88 Frühester Zustand der Mechanik und Hydrostatik.
der höchste Scharfsinn nicht mit den Thatsachen in Ueberein-stimmung bringen, und noch weniger aus ihnen irgend ein reellesNaturgesetz ableiten konnte.
Für die Statik und Hydrostatik bestand ohne Zweifel dieHauptbedingung der glücklichen Entwicklung dieser Wissenschaftenin der klaren Auffassung der zwei angemessenen Ideen vondem statischen und von dem hydrostatischen Drucke. Aus ihnenfolgte sofort der Ausdruck der zwei Experimentalgesetze, daßerstens der ganze Druck eines festen schweren Körpers abwärtsgerichtet ist und immer derselbe bleibt, und daß zweitens bei denflüssigen Körpern jeder auf einen Theil derselben angebrachteDruck sich sofort allen Theilen mittheilt. Wenn einmal jeneIdeen vollkommen verstanden sind, so liegen auch diese zwei Ge-setze so klar am Tage, daß kein weiterer Zweifel über sie möglichseyn kann. Jene zwei Ideen sind gleichsam die Wurzel allermechanischen Wissenschaft, und das vollkommene Verständnißderselben ist auch heut zu Tage noch das erste Erfordernis;, zurKenntniß dieser Wissenschaft zu gelangen. Allein nachdem siei» dem Geiste des Archimedes klar aufgewacht waren, fielen siewieder, viele Jahrhunderte durch, in tiefen Schlaf zurück, bissie endlich in Galilei'S, und klarer noch in Stevin'ö Geiste wie-der erwachten. Seit dieser letzten Epoche kehrten sie nicht mehrzn dem alten Schlummer zurück, und das Resultat ihres Wachenswar die Ausbildung zweier Wissenschaften, die eben so strengund sicher in ihren Demonstrationen sind, als es die Geometrieselbst nur immer seyn kann, mit der sie auch an Interesse undFülle des Inhalts wetteifern, und die überdieß noch den großenVorzug vor ihr voraushaben: daß sie ein getreues Bild vonden Gesetzen der physischen Welt geben, und vor unsernAugen die hohen Vorschriften entfalten, nach welchen die Phäno-mene der Natur auf einander folgen und folgen müssen, so langediese Natur selbst keine Aenderung erleidet.