246 Commentatorischer Geist des Mittelalters.
Behauptung des Stagiriten au, daß eiu mit Asche gefülltes Gefäßeben so viel Wasser aufnehmen könne, als ein ganz leeres, citirtdann auch wohl noch die Meinungen einiger anderer Schrift-steller, aber er bringt selbst keinen eigenen Versuch, durch welche»«r selbst die Wahrheit der Sache bestätiget hätte. Eudemns hattegesagt, daß die Asche etwas Heißes in sich enthalte, gleich deinungelöschten Kalke, und daß dadurch etwas von dem Wasserverdampft werde; andere meinten wieder, das Wasser werdedurch die Asche verdichtet und was dergleichen mehr ist H.
Des Commentators eigentliche Sache ist Erläuterung!er will das Werk, auf das er selbst sich stutzt, dem Zustandeder Bildung und der Meinungen seiner eigenen Zeit anpassen!dunkle Stellen aufklären, und Lücken ausfüllen, aber nicht neueWahrheiten hinzufügen oder auch nur die alten erweitern-Er beschränkt sich darauf, wieder zu geben, was er in seiueinAutor gefunden hat; er will nur alte Sätze entwickeln, niäßaber neue aufstellen. Er pflegt und besorgt nur fremde Ge-danken; er bearbeitet nicht seinen eigenen Boden, er pflügt müfremden Stieren, und selbst seine Ernte soll nur die Scheuneeines Andern füllen. Demnach arbeitet er nicht wie ein freie'Mann, sondern nur als ein gedungener Sklave; er gehört z"dem Gesinde, nicht zu den selbst producirenden Arbeitern seinesGebieters, und seine Pflicht ist es, den äußeren Glanz desfremden Hauses durch seine Dienste zu schmücken, nicht aber de»inneren Wohlstand desselben durch eigene Erfindungen zu ver-mehren.
So untergeordnet aber auch dieses Geschäft eines Commen-tatorS anderen erscheinen mag, so ist doch er selbst gewöhn^nur zu sehr geneigt, diesem Geschäfte eine viel größere Wichtskeit beizulegen. Es es allerdings sehr nützlich, ein g"^Buch zu erläutern, und wenn irgend ein Mann ein solcheGeschäft gehörig vollführt, so würde es ohne Zweifel sehr un-billig seyn, ihm Vorwürfe zu machen, daß er nicht nochgethan hat. Aber wer lang und mühsam mit einemsich beschäftiget bat, ist gewöhnlich geneigt, dieser seiner MEeinen höheren Werth beizulegen, als sie in der That verdien''ihm erscheint das von ihm bearbeitete Feld viel größer, als '
6) Simplicius S. I70.