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Versuch einer Kritik der Principien der Wahrscheinlichkeitsrechnung / bearbeitet von Jakob Friedrich Fries
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Einleitung.

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kann sich vielleicht bei einem einfachen Zusammenzählen wie-derholt verzählen, aber darum sind die Gesetze der Additionnicht Sachen der Wahrscheinlichkeit, sondern sie gehören dermathematischen Wissenschaft zu ihren großen Schätzen vonvollständiger Gewißheit. Endlich mag der Ausspruch noth-wendiger philosophischer Wahrheiten noch so lange streitig blei-ben, jeder denkende Mensch setzt doch unvermeidlich dieseGrundbestimmungen seiner Denkweise in jedem richtigen oderirrigen Urtheil als wahr voraus. Jeder Mensch setzt so mitvollständiger Gewißheit voraus, daß die wechselnden sinnlichenErscheinungen Eigenschaften und Zustände von Wesen seyen,daß der Wechsel der Begebenheiten nach nothwendigen Ge-setzen bewirkt werde, und so das Achnliche. Auch diese reinphilosophischen Erkenntnisse sind der Wissenschaft Sachen dervollständigen Gewißheit. Hingegen jede Bestimmung allge-meiner Naturgesetze durch die Erfahrung bleibt der Wissen-schaft von wahrscheinlicher Bestimmung, wenn wir gleich invielen Fällen den Grad der Gewißheit so hoch steigern kön-nen, daß wir sie von vollständiger Gewißheit nicht mehr un-terscheiden.

In allen diesen Gebieten nun soll die Wissenschaft ihreBehauptungen von den blinden Einflüssen der Gewohnheitund der Erwartung ähnlicher Fälle ganz befreien. Dafürgibt die logische Methodenlehre ihre Regeln. Diese aber un-terscheidet die Methoden des Empirismus und der Spe-culation von denen der Jnduction. Empirismus undSpeculation sind Methoden, um die Wissenschaft zu vollstän-diger Gewißheit zu führen; der Empirismus durch die Sicher-stellung der Thatsachen vermittelst der Beobachtung, die Spe-culation durch die wissenschaftliche Entwicklung reiner mathe-matischer und philosophischer Lehren. Die Jnduction hingegensoll durch Erfahrung der Natur ihre Gesetze abfragen, unddahin gehören alle Methoden der Wahrscheinlichkeit. Nurdiese Fälle können uns hier in Frage kommen, aber eben fürsie müssen wir noch weiter die berechenbare Wahrschein-lichkeit von allen Arten der nicht zu berechnenden scharf