Buch 
Vitruvius. Des allernamhafftigisten unnd hocherfarnesten römischen Architecti unnd kunstreichen Werck oder Baumaisters Marci Vitruuii Pollionis Zehen Bücher von der Architectur und künstlichem Bauen. Ein Schlüssel und Einleytung aller mathematischen unnd mechanischen Künst scharpffsinniger fleissiger Nachtrachtung oder Speculation künstlicher Werck ... Alles mit schönen künstlichen Figuren unnd Antiquiteten und sonderlichen Commentarien ... / gezieret und erkleret ... Erstmals verteutsch, und in Truck verordnet durch D.Gualtherum H.Rivium ...
Seite
CCX
JPEG-Download
 

cer Das Dritte Buch Vitrunij

wort Vitruuij ſelber in diſem Capitel gnug ſam anzeygen/ iſt dem fleiſſigen vnd er -farnen Architecto/ in ſolcher erbawung vnd ordnung der Tempel/ vor allen dingenſo im fürkommen moͤgen/ am aller notwendigſten vnnd fleiſſigſten auff zu mercken.Dann ſo wir den bezirck einer gantzen Stattmawren/ oder Gebew eins Schloß d-der Caſtel gegen einem ſolchen Tempel nach gelegenheit der ſachen vergleiche/ wirdſich fürwar befinden/ das ſolche aller geringſt dargegen.Darumb in diſer Symme-tri gantz klerlichen vnderſchiedlich geſetzet wirt zu erkennen ein rechten Kunſtreichenin aller obgeſchribnen vnterrichtung erfarnen Bawmeiſter/ vor einem falſchen/ denwir im anfang ein Pſeudoarchitectum genennet haben/ oder zum wenigſten ein vn-uolkommenen Architectum/ als die ſo allein in etlichen der Architectur angehoͤrigenKaͤnſten geuͤbt/ wie dann mancherley Kunſtreiche Handwerck/ Goldſchmid/ Ma-ler/ Steinmetzen/ Bildhawer/ Rotgieſſer/ Schreiner/ vnd alle gelerte Kuͤnſtler/ Mathematici vnnd der gleichen/ die ſich nit allein diſer Kunſt der Architectur/ ſo weit ſiejnen zum theil notwendig gebrauchen/ ſonder auch vberſchritten/ dann ob ſie ſolcheSymmetri gleich auff das aller fleiſſigeſt erſuchen/ vnnd alle jre Werck darnach zumachen wiſſen/ iſt jnen doch die rechte Symmetri ſolcher Tempel vnnd Kirchen Gebew/ ſo Vitruuius in diſem dritten Buch tractiren vnd handlen wil/ gantz vnbekantvnnd frembd/ als die fuͤrnembſt/ vnnd in welcher Vitruuius wil/ das der Arch itec-tus in ſonderheit wol erfahren ſein ſol/ wiewol ſolche Symmetri den erſtẽ vrſprunghat auß Menſchlicher Proportion vnnd Glidmaſſung. Dann wie auch Vitruui-us ſchreibt/ iſt diſe die aller gerechtiſt/ vnnd den Menſchen vor allen andern die an-muͤtigſt vnnd lieblichſt/ dann die Werck den Menſchen mehr verwunderung brin-gen/ vor andern Kuͤnſtlichen Wercken/ ſo der Natur eben in gleicher geſtalt nach ge-macht werden/ vnd ſolche ymmer ye neher ſie dem leben nicht allein in der geſtalt derboſſen/ ſonder durch jr Stand/ Weiß/ Geberd/ zu deuten/ jr gemuͤth vnd willen an-zuzeigen/ wie ſich dann die alten Kuͤnſtner/ Maler/ vnnd Bild ſchnitzer hierin gantzfleiſſig gebrauchet vnnd nach hoͤchſtem vermoͤgen nachkommen/ wie dann auch zudiſer zeit bey vilen fleiſſigen Kuͤnſtnern ſolche Symmetri Menſchlich es Coͤrpers zugroſſem wunder geſehen wird/ fürnemlichen in Italia/ alſo das ſolehe Kůnſtler ſichnicht allein befleiſſen/ das/ ſo ſie für Augen ſehen Kuͤnſtlich vnnd Wercklichen nachzu machen/ ſonder auch hieruͤber die Schrifften Plinij vnd ander zu beleſen/ welcheſolche Künſtliche Werck der alten nicht allein vaſt fleiſſig beſchriben haben/ ſonderauch mit groſſem Lob vnnd Rhumreichen preiß/ vnderſtanden in ewige gedechtnuszu bringen/ durch welchen Rhum ſie ſolchen dingen gantz embſiglichen nachtrach-tet/ vnd eben ſolcher geſtalt auch gedencken zu erlangen/ wie dann vnder vns Teut-ſchen jnen auch zum theil hierin nachgefolgt wirt/ damit wir nicht geachtet werdenals ob den Welſchen Kuͤnſtlichen Malern ſolchen fleiß verguͤnneten oder jhresRhums berauben/ woͤllen wir ſie mit jren namen erzehlen/ vnnd in ſonderheit die/nach welcher Kuͤnſtlichen Wercken yeder Kuͤnſtner in fleiſſiger nach trachtung/ vndeygentlicher ermeſſung ſeine Werck corrigieren vnnd verbeſſern moͤg/ wie dann al-len Kuͤnſtner zuwiſſen/ das auß mancherley Nation vnnd frembder gegnet Italiain ſonderheit/ als ein auffenthalt aller guter Kuͤnſt beſucht wirt/ nit allein auß denherlichen Rhumreichen antiquiteten/ ſonder auch der nachkommenden/ als auch de-ren zum theil bey Menſchlichen gedencken gelebt/ ſich zu verbeſſern vnd gewiß erempel vor augen zuſehen/ darauß auch vnſern Teutſchen nit kleiner ruff in diſer vnd andern Kuͤnſten noch heutiges tags entſpringen moͤcht/ wie dann ſolchs biß her etlichnit wenig erlangt haben. Aber die beruͤmpten Kuͤnſtner deren Werck hierin in ſon-derheit in jrer Compoſition/ Sym̃etri Proportion mit fleiß groſſem verſtandzu beſchawen/ vnd der imitirung wirdig/ als von trefflichen beruͤmpten Kuͤnſtner gemacht ſeind/ der Geburt nit alle Italianer geweſen/ wiewol d mehrer theil/ ob gleich

ſolche