Der Hellenische Tempel in Hinsicht auf Zwekk und Form.
Erste Abhandlung.
I. Allgemeines.
Aevor mit der Darstellung der Ionischen Bauweise begonnen und die ausge-dehnte und reich gegliederte Planform der Aedes dipteros erklärt werden kann,wird es nothwendig über die Form des Hellenischen Tempels im Allgemeinen zu redenund dieselbe vom einfachsten Dorischen Parastadenschema wie es im vorigen Buchegegeben wurde, bis zur ausgedehntesten Raumform zu entwickeln. Es versteht sichvon selbst daß hierbei auf keine besondere Kunstweise, weder auf die Dorische nochIonische noch Korinthische, Rücksicht genommen werden kann
Indem mich der Gang der Entwikkelung drängt über diesen Gegenstand zu reden,den ich dem ursprünglichen Plane nach an das Ende des Werkes verlegt hatte,so weiß ich doch recht gut daß ich mich an eine Aufgabe gewagt habe deren Lösung zwarvon der grösten Wichtigkeit für das Verständniß und die Herstellung der Monumente ist,zugleich aber wegen der Dürftigkeit der Schriftquellen und des zerstörten Zustandesder Bauwerke außerordentliche Schwierigkeiten in sich trägt. Wie sehr ich auch beideswohl erkannt habe mögen allein schon die Materialien bezeugen die ich glaubte aufwen-den zu müssen um zuerst nur feste und gesicherte Anhaltspunkte für die Untersuchungzu gewinnen. Denn es handelte sich hierbei darum, den Gedanken des Tempels wie ersich im mythologischen Bewustsein der Hellenen bildete und aus diesem in eine baulicheForm übertrat, in seiner Ursprünglichkeit wieder zu gewinnen, so dann den einfachenGrundgedanken in seiner weitesten Ausbreitung zu verfolgen und auf diesem Wege, ausder zwekklichen Nutzung die Einrichtung des Tempels im Allgemeinen, dieForm seiner ein-zelnen Theile im Besonderen erklären und wiederherstellen zu können. Bis jetzt hatman freilich geglaubt schon im völligen Besitze des Verständnisses von Zweck und
Bemerk. In einer zweiten Abhandlung werden die Tempel betrachtet werden welche keinesymmetrische Plananlage haben, deren Form aus mehren kleineren, zu einem einzigen Hause ver-einigten Tempeln gebildet ist, wie z. B. das Erechtheion zu Athen und verwandte.
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