Band 
Erstes Buch.
Seite
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Form des Hellenischen Tempels zu sein, wenn man die Verzeichnung der sogenanntenSäulenordnungen habe und etwa wisse daß der ganze Raum desselben zur Verehrungder Götter bestimmt sei, daß ein Theil von ihm Pronaoö, ein anderer Opisthodomos,wieder ein anderer Cella oder NaoS heiße. Damit wissen wir freilich noch so vielals gar nichts und es ist die einfache aber vielbedeutende Frage: was denn eigentlichein Tempel und warum überhaupt ein solcher sei weder aufgeworfen noch beant-wortet worden; obgleich dies doch grade die Frage ist in welcher streng genommen dasWesen der Hellenischen Architektonik recht eigentlich an der Wurzel berührt wird vonder seinen Ausgang nimmt. Die Antwort liegt daher keineswegs so offen auf derHand als oberflächlich betrachtet wohl scheint, gehört diese Frage vielmehr nochzu den Räthseln der Kunstgeschichte. Deswegen ist man auch bis jetzt selbst über die we-sentlichsten Dinge welche die Form des Tempels betreffen noch völlig im Unklaren, manhat noch nicht einmal entscheiden können wie es sich mit dem Innern desselben ver-halte, wie dieses eingerichtet, überdckkt und wie es beleuchtet war. Daß man wirk-lich entweder die große Bedeutung jener Frage nicht erkannt oder aber, wenn diesder Fall war, ihre Auffassung und Beantwortung nicht gewagt habe, dafür giebt derUmstand ein Zeugniß daß alle unsere Kunstforscher mit einer unglaublichen Leichtigkeitüber dieselbe hinweggegangen sind und über den Ursprung und Begriff des Hieran sichin gar keine Untersuchung eingelassen haben. Aus diesem Grunde habe ich auch leider garkeine Vorarbeiten vorgefunden an die ich anknüpfen und auf denen ich hätte weiter bauenkönnen. Es ist aber wohl einleuchtend daß nur erst dann wenn der religiöse Begriffdes Tempels im Ganzen erklärt, wenn die sachliche Benutzung, der kultgebräuchlichf Zwekkjedes einzelnen seiner Raumtheile nachgewiesen ist, die Gesammtanlage des ganzen Bau-werkes sowie die räumliche Form jedes Theiles ihr Verständniß und ihre Rechtferti-gung gewinnen können, indem sie nur eine Folge von ersterem sind; daß man alsdannauch erst sagen könne was die Grundursachen des hieratischen Baues der Hellenenseien. Die Schwierigkeit der Erklärung seiner baulichen Gestaltung beruht aber vor-nehmlich mit darin daß, weil die Existenz eines Werkes wie das Heiligthum überhaupt keinermateriellen vom physischen Bedürfnisse gebotenen Nothwendigkeit anheim fällt wie dasWohnhaus des Menschen, sondern nur in dem Kreise des geistigen, des religiösen Lebensseine Veranlassung und seinen Gedanken findet, daß die Form in die dieser Gedankegefaßt und ausgesprochen erscheint ebenfalls nur aus solchen Verhältnissen, aus derWeise der Gottverehrung und Knltausübung erklärt werden könne; da aber von diesenVerhältnissen das was den Kultrituö jedes verschiedenen Gottes und seines Tem-pels angeht, im Allgemeinen noch ein leeres Blatt im Buche unserer Archäologie ist,so ist der Gedanke welcher die Erklärung der Kultstätte allein leiten kann von Seitender wissenschaftlichen Forschung noch mit einem dichten Schleier bedekkt. In gleicher