Geschichte der praktischen Astronomie. gz§
schung, welche dieses Vorurtheil veranlassen konnte.Sey es nun aus dieser Ursache, oder aus der Unrich-tigkeit ihrer Instrumente, oder aus einigen m einerlangen Reihe von Beobachtungen fast unvermeidlichenUnachtsamkeiten: sie fanden, daß die Erdgrade in derThat von Mittag nach Norden hin an sänge abneh-men, und eilten, dieses Resultat mit um so viel mehrZutrauen bekannt zu machen , als sie dadurch die alssehr wahrscheinlich betrachtete Abplattung der Erde zubestätigen glaubten.
Die Frage schien vollständig aufgelöst. Manblieb mehrere Jahre hindurch in der sichern Meynung,daß die Beobachtungen mit der Theorie übereinstimm-ten , wenigstens in Absicht auf die allgemeine Folge-rung. Allein endlich ward diese Sicherheit durch dieGeomcter gestört; sie bewiesen, daß diese vermeynteUebereinstimmung der Beobachtungen mir der Theorieauf einen geometrischen ParalogismuS sich gründe,und daß in einem gegen die Pole abgeplatteten Spha-roid die Grade der Breite vom Aequator nach denPolen hin wachsen, und gegentheils in einem verlän-gerten Sphäroid abnehmen müßten. Man erkenntallerdings, ohne Hülfe irgend einer geometrischen Fi-gur, daß, da in dem abgeplatteten Sphäroid der Erd-meridian in der Nähe des Aeguarors krummer ist alsum den Pol, die sänge des irdischen Bogens von ei-nem Grade, der einem himmlischen Bogen von einemGrade correspondirt, in dem Maße wachsen muß,als die Krümmung des ErdmeridtanS abnimmt, oderin dem Maße, als man gegen den Pol hin fortrückt.Das Gegentheil muß für das verlängerte Sphäroid