Atomistik und Dynamik.
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Der Charakter der gasförmigen ist, daß die Kraft der Theileauf einander stets rcpulsiv wirkt; eS also keine Lage giebt, wo dieKörper für sich, ohne äußere Kraft im Gleichgewichte find.
Bei den flüssigen und festen Körpern sind die innernKräfte bei einer gewissen Stellung der Theile im Gleichgewicht undführen diese dahin zurück, wenn sie durch äußere Kräfte in eine etwasabweichende Lage gebracht worden sind.
Bei dem Flüssigen haben die Kräfte eine nach allen Seitenhin gleiche Intensität; bei dem Festen hingegen ist sie ungleich. Beidem Flüssigen kann sich daher, wenn die Gestalt des Ganzen dadurchnicht geändert wird, ein Theil auf dem andren ohne Hindernißverschieben. Diese vollkommene Verfchiebbarkeit kaun man zwarnicht unmittelbar beobachten, weil wir nur auf die Oberstäche ver-mittels fremder Körper und nicht ohne eine Veränderung ihrer Ge-stalt einwirken können; aber sie geht hervor aus der gleichförmigenVerbreitung des Druckes nach allen Seiten, aus der Vereinigungzweier Tropfen, die sich in einem Punkte berühren, und vielen an-dren Erscheinungen mehr. Bei den festen Körpern hingegen wirddie stabile Anordnung der Theile schon durch das Verschieben ge-ändert, es entwickle,! sich neue Kräfte, die der Veränderung wider-stehen und den Körper in seine frühere Stellung zurückführen.
Bei den Gasen ist also, wenn sie sich selbst überlassen sind,gar kein Gleichgewicht; bei den flüssigen ein indifferentes;bei den festen ein stabiles.
§. 9. Die einer Klasse angehörenden Körper zeigen abge-sehen von diesen charakteristischen Eigenschaften einen höheren Gradvon Familienähnlichkeit als chemisch-identische, aber in ihren Aggre-gatzuständen verschiedene Körper. Eis ist dem Salze weit ähn-licher, als dem Wasser, und Wasser dem Alkohol ähnlicher als demWasserdampf. Die gasförmigen Körper folgen sämmtlich dem ma-rivttischen Gesetze, sie dehnen sich alle durch Erwärmung gleichstark aus, verlieren durch Compression eine gleiche Menge Wärme.Ihr specifisches Gewicht, ihr Vermögen Licht zu brechen und zurestectiren, die Elektricität zu isoliren und zu leiten, ist in der Re-gel viel schwächer, als bei den flüssigen Körpern. Diese stehen zwarden festen Körpern weit näher als den Gasen; aber das specifischeGewicht, die Elasticität, die Einwirkung auf Licht, Wärme, Elektri-cität, ist bei den Flüssigen im Durchschntit kleiner als bei den festen.