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Die Lehre von der Cohäsion, umfassend die Elasticität der Gase, die Elasticität und Cohärenz der flüssigen und festen Körper und die Krystallkunde : nebst vielen neuen Tabellen über alle Theile der Cohäsionslehre, in's besondere über die Elasticität und die Festigkeit / von M.L. Frankenheim
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Elasticität der Flüssigen.

jedes Theilchen überall gleich stark gedrückt wird, so hatman immer eine von allen Seiten gleiche Compression anwendenmüssen.

Elasticität bei Compression.

§. 2. Die Compressibilität des Wassers wurde im siebenzehn-ten Jahrhunderte wegen einiger damals herrschenden Vorstellungenüber die Natur der Flüssigkeit bezweifelt. Die Reflexion eines schiefauf das Wasser geworfenen Steines und die Fortpflanzung desSchalles schienen aber dafür zu sprechen; Baco von Verulam, diePhysiker der Akademie del Cimcnto und Andere aus ihrer undeiner spätern Zeit wollten sich durch dirccte Versuche davon über-zeugen. Man nahm gewöhnlich eine Kugel von Metall und suchtesie flacher zu hämmern, oder durch einen Hammer oder eineSchraube ein Stück Metall in das Innere einer Waffermasse zutreiben. Aber in keinem dieser Versuche waren die Metalle oderFugen stark genug, dem Drucke zu widerstehen. Das Wasser drängtesich durch bereits vorhandene oder neu gebildete Spalten hinaus.Erst Canton erwies nicht nur das Dasein, sondern bestimmteauch die Größe der Comprcssibilität im Wasser, und andren Flüssig-keiten.

Er und fast alle seine Nachfolger bedienten sich folgender Me-thode: Ein Gefäß von Glas endigt sich in ein oben offnes, enges,dem Raume nach eingetheiltes Rohr, dessen Volumen in Beziehungzum Gefäße bekannt ist. In das Gefäß kommt die zu untersu-chende Flüssigkeit, z. B. Weingeist. Man stellt es in einen mitWasser oder Luft gefüllten Raum und drückt diesen durch geeigneteVorrichtungen zusammen. Das Gefäß mit dem Weingeist, wirddann von allen Seiten gleich stark comprimirt, und kann sein Vo-lumen nicht bedeutend verändern. Bloß von Innen gedrückt würdees sich erweitern und die Compression kleiner angeben, als sie ist.

Eine kurze Säule von Quecksilber, Acther u. s. w. trennt dieFlüssigkeit in dem calibrirtcn Glasgefäße von dem äußern, luft- oderwasserhaltigen Raume. Canton brachte sein Glas in den Recipi-enten einer Luftpumpe und comprimirte oder evacuirte. Der Be-reich seiner Versuche ging daher nicht über 34 Atmosphärenhinaus, aber sie wurden besonders beim Wasser oft wiederholt undsind recht genau.