Geschichte.
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häsion, aber nur iu gewöhnlicher Weise gesprochen. Einige Abhand-lungen, die von Andren citirt werden, habe ich mir nicht verschaf-fen können. Nach den Auszügen, die ich kenne, sind sie unbedeu-tend. Ich habe sie nicht genannt. Arbeiten über einzelne Theileder Adhäsion werde ich späterhin anführen.
§. 11. Im Anfange des neunzehnten Jahrhunderts fing manendlich an, die mathematische Analyse, die in andren Theilen derPhysik so ausgezeichnetes geleistet hatte, anch auf die Adhäsion an-zuwenden. Zuerst that es Th. Dornig. Er fand, daß der Win-kel, deiij der flüssige Körper mit den festen macht, ganz unabhän-gig ist von der Gestalt und dem Volumen der Körper, und leitetedaraus eine große Menge von Erscheinungen ab: den Stand deSFlüssigen über oder unter dem Niveau in engen Räumen von ver-schiedener Gestalt; die Form und die Größe der Tropfen, die sichan einen festen Körper lehnen, oder eine flüssige Säule von gerin-gem Durchmesser begrenzen; die Gestalt von Luftblasen; die Anzie-hung von Körpern, welche durch ihre Leichtigkeit oder die Schwächeihrer Adhäsion auf der Oberfläche eines Flüssigen schwimmen, ge-gen einander oder die Wand des Gefäßes; die Kraft, mit der einePlatte an einem flüssigen Körper haftet u. a. m. Er war also dererste, welcher die einzelnen Ahhäsionserscheinnngen durch Rechnungmit einander verband. Indessen sind seine Voraussetzungen überdie Gestalt der Oberfläche der Flüssigen nicht ganz richtig, und dieRechnungen nur im Umrisse angegeben.
Ausgezeichneter vom mathematischen Standpunkte aus ist diebeinahe gleichzeitige Untersuchung von Laplace. Er nimmt eben-falls an, jedoch ohne Beweis, daß der Berührnngswinkel zwischendem festen und flüssigen Körper mit wenigen Ausnahmen conftantist, und berechnet daraus die einzelnen Cohärenzerscheinnngen nochweit vollständiger als Dornig. Seine Arbeit hat den größten Ein-fluß auf die Lehre gehabt; sie wurde fast allgemein angenommen,öfter commcntirt und veranlaßte außer mehreren mathematischen Un-tersuchungen, welche die Theorie jedoch wenig förderten, auch einigegenaue Beobachtungen.
Erst im Jahre 1830 stellte Gauß die Adhäsionslehre aufeine festere Basis als Dornig und Laplace. Er bewies, was dieseMänner bloß angenommen hatten, daß der Berührungswinkel desflüssigen und festen Körpers constant ist und gelangte durch eine