Buch 
Die Lehre von der Cohäsion, umfassend die Elasticität der Gase, die Elasticität und Cohärenz der flüssigen und festen Körper und die Krystallkunde : nebst vielen neuen Tabellen über alle Theile der Cohäsionslehre, in's besondere über die Elasticität und die Festigkeit / von M.L. Frankenheim
Entstehung
Seite
498
JPEG-Download
 

498 Cohärenz der Festen, heterogene Körper.

dem reduckrenden Metalle oder ihre Fortsetzung an dem reducirten,die Bildung von Metallbäumen, erklärt man durch Galvanismus; aberwie will man dieses Anhängen an Glas erklären? Die chemischeBeschaffenheit und der Zustand der Oberstäche der festen Körperspielen dabei vermuthlich eine bedeutende Rolle. Nach einer, jedochder Bestätigung bedürfenden Angabe von Juch setzt sich das durchKohle reducirte Gold nur an bleihaltige Gläser; die Adhäsion desGoldes an Bleiglas wäre daher größer, als die an Alkaliglas.Wenn die Ueberzüge nicht bloß an deu Wänden des Gefäßes stattfinden, sondern auch an andre hineingestellte und für sich chemischunwirksame Körper, wie man es von dem Glase annimmt, sohaben die Versuche keine Schwierigkeit.

Den reducirenden Metallen gleich verhalten sich alle sich bil-denden Körper, Salze u. dgl., die oft mit großer Kraft an demOrte hängen, wo sie entstanden.

§. LOt. Zwei oder mehrere Stücke eines homogenen Stoffes,zwischen denen sich fremde Körper ablagern, können dadurch zueinem Ganzen vereinigt werden, dessen Theile mit derselben Kraftzusammenhangen, wie Theile eines Körpers. GlaS, das in einerSchale geschliffen ist, und drmn trocknet, hängt mit solcher Kraftdaran, daß man es, ohne es zu zerbrechen, nicht mehr davon tren-nen kann, indem die seinen Staubtheilchen Schale und Glas miteinander fest verbinden (Siehe einen ähnlichen, aber in seinen Ur-sachen verschiedenen Versuch von Airy, Cohärenz der Flüssigen §. 69)Auf dieselbe Weise wird ein Haufen von Salzkrystallen zu einemGanzen verbunden. Noch auffallender sieht man dieses an denMörteln. Der einfachste Mörtel ist das Wasser selbst. Wennes in einer dünnen Schicht zwischen zwei festen Körpern erstarrt,so hängen sie zusammen; wenn es in einer anfangs mit Wasser ge-tränkten Erde erstarrt, so werden die in einer höhern Temperaturlockern Erdtheile zu einer sehr festen Steinmasse, in welche die Be-wohner kalter Länder nur mit Art und Pulver eindringen können.

Bei andren Mörteln ist der Proceß verwickelter. Auch sie bestehenaus einem festen und yinem flüssigen Bestandtheile, die mit einandergemengt werden. Die flüssige Masse erstarrt aber nicht durch dieTemperatur, sondern durch chemische Processe, an denen Luft undWasser zuweilen Theil habe, und werden durch zu Stein.

§. 205. Als Mörtel können vielleicht alle Körper dienen. Die