Buch 
Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
Seite
54
JPEG-Download
 

54

Im Jahr 1285 hatten sich mehrere schwäbische Grafen gegen den Kaiser Ru-dolph vereinigt, da sie sich von demselben gekränkt glaubten. An der Spitze diesesBundes stand Gr. Eberhard von Würtemberg, an welchen sich die Grafen v. Helfen-steiu, von Zollern n. a. m. angeschlossen hatten. Auch Graf Ulrich von Montfort-Bregenz erklärte sich nicht nur für Graf Eberhard, sondern zog auch persönlich ihmzu, und wurde mit demselben von Kaiser Rudolph in Stuttgart belagert. In demLager des Kaisers dagegen befand sich Graf Rndolph von Mvntfort zu Feldkirch,des obigen Bruder, so, daß Bruder gegen Bruder feindlich sich entgegenstanden.Dieses feindliche Verhältniß zwischen diesen beiden Brudern, welches mehr politischerNatur gewesen zu sein scheint, glich sich durch den Vertrag vom 10. Nov. 1286aus, nach welchem Kaiser Rudolf nicht nur mit dem Grafen Eberhard von Wür-remberg, sondern auch mit dessen Helfern, den Grafen Ulrich von Helsenstein, GrafenUlrich von Montfort und Friedrich von Zollern ausgesöhnt wurde. Bei dieser Aus-söhnung war Graf Rudolf nicht unthätig. Nachdem nämlich der Kaiser dem GrafenUlrich seine Huld zugesichert, und letzterer geschworen hatte, diesen Vertrag zu halten,kamen der Kaiser und Graf Ulrich dahin überein, daß ihre gegenseitigen Ansprüche,welche nicht näher bezeichnet sind, durch zwei Schiedsrichter, den Grafen v. Üttin-gen und den Grafen Rudolf von Montfort in Güte, oder durch richterlichen Spruchsollten vertragen werden, auch segelte Graf Ulrich diesen Vertrag mit seines BrudersRudolfs Jnsigel;weil er zu discr Zit unser Jnsigel bi uns nit anhaben'^).

Graf Rudolf v. Feldkirch blieb auch dem Kaiser Rudolf treu, so lange letztererlebte, wenigstens geschieht seiner in der spätern Fehde seiner Brüder, des BischofsFriederich von Chur und des Abts Wilhelm von St. Gallen rc. mit dem KaiserRudolf (128791) keiner Erwähnung, und er scheint sich neutral verhalten zuhaben.

Daß aber Graf Rudolf nicht so fast aus persönlicher Anhänglichkeit an denKaiser sich ruhig verhielt, sondern vielmehr, weil er die Macht des letztem fürchtete,geht daraus hervor, daß er nach des Kaisers Tode sich offen für den Kaiser Adolf,

H S. Sattlers Gesch. d. Gr. v. Wärt. I. Bd. S. 12, Beil. Nr. 10., woselbst dieserFriedensvertrag abgedruckt ist. Die hieher gehörige Stelle lautet:Ulrich von Montfortder sol och unsere Hulde ha», und Swaz Ansprach zwusche uns und ime ist, das sinwir baidenthalp gegangen uf den Eraven von Ottingen, und uf Graven Nudolph vonMontfort, und füllen uns die verrichten nach Minne, ob sie mugen oder nach recht."...und unten:Wir Friderich Grave von Zoler, Ulrich Grave von Montfort, und Ulrich,Grave von Helsenstein haben auch gesworen, das wir dieselbe Sun, also hievor gesribenist, stäte und unerprochen halten, und wann wir zu diser Zit unser Jnsigel nit bi unshaben, so han ich Grave Ulrich von Montfort mines Bruders Gr. Rudolfs Jnsigeln ge-feiten henken an diseu Brief."