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rungen ein Ende. Dieser Donat ließ die im Treffen bei Flißur Gefangenen (über200) in sein Schloß Vatz abführen, da am ersten Tag herrlich bewirthen,- aber amfolgenden Tage (war dies sein freundliches Benehmen Hohn, oder erbitterten ihn et-wa andere Ursachen) in scheußliche unterirdische Gefängnisse werfen, ihnen nach undnach alle Nahrung entziehen und so durch Hunger elend zu Grunde gehen. Beiihrem Geheul und Jammern, sprach er mit teuflischem Hohnlachen: „Diß weren„seine Lustvögel, die ihm in Visen Kesinen singen und der einen Muth machen mästen/'Donat von Vatz starb im Jahr 1330 ohne geistlichen Beistand plötzlich, ohne einenmännlichen Erben zu hinterlassen, der letzte seines Stammes und Namens. DasVolk sah in diesem seinem plötzlichen Tode Gottes Gericht, des Todesengelsrächende Hand *).
Die Niederlage, welche Bischof Rudolf bei Flißur erlitten, machte einen tiefenEindruck auf ihn. Er blieb zwar dem Kaiser Friedrich getreu, ließ an allen Sonn-nnd Festlagen die päpstliche Ercommunication des K. Ludwigs fleißig in den Kirchen,die seine Autorität anerkannten, verkündigen, aber er zog sich mehr von den Welt-händeln zurück, namentlich entfernte er sich von Chur und Graubündten, der Gegendwelche Zeuge seiner Niederlage war, legte die Administration des Bisthums Churnieder, und ließ es geschehen, daß das Domkapitel daselbst, statt seiner den Herr-mann von Eschenbach, Abt zu Pfeffers (1 8 ^/ 24 ) zum Bischof wählte; und als diesernach kurzer Zeitfrist starb, der Papst Johann XXH. einen Johann Pfefferhard,Rath der römischen Gerichtssteüe, die man die rota romans nennt, zum Bischofzu Chur ernannte. Um den Rudolf zu entschädigen, ernannte dec Papst ihn zumAdministrator der Abtei St. Gallen, woselbst die Kapitularen nach dem Tode desAbts Hiltebold (13. December 1328) den Ulrich von Enne und den Bertholt» vonFalkenstein in zwiespältiger Wahl zu Abten bestimmt hatten. Beide waffneten sich,fanden Freunde und Anhänger; beide suchten ihre Bestätigung in Rom nach, aberPapst Johann wies beide ab, um den Bischof Rudolf zu befördern. Selbst diefeindlichen Angriffe K. Ludwigs konnten den Bischof Rudolf nicht auf andere Ge-.
1 ) Johann von Müller in seiner Geschichte der Eidgenossen erzählt eine Geschichtevon diesem Donat von Batz, welche die Rohheit und Unmenschlichkeit dieses von mehrernin neuer Zeit so hoch gepriesenen Mittclalters auf eine schanererregende Weise bezeichnet(II. B. I. Heft S. 115). Johann Donat v. Vatz ließ drei seiner Leibeigenen stark zechen,den einen die Nacht hierauf auf den Straßen herumlaufen den andern ruhig im Zimmerauf- und abgehen, den dritten aber schlafen, den andern Tag ließ er alle drei aufschneidenum zu sehen, welches der Verdauung am vorthcilhaftesten gewesen sei. Johann v. Müllerberuft sich Hiebei auf Campen älsepl. Doch war Campen zu sehr Parteimann, und gegenden Adel eingenommen, um eine solche Grausamkeit von einem Manne geübt, für welcheneine Untergebenen ihr Leben willig einsetzten, glauben zu können.