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Gräben, wie er will, als ein Statt/' zugleich ließ er die von ihm für diese neueStadt nach dem Vorbilde der Stadt Lindau entworfene Stadtordnung vom Kaiserbestätigen i). Um Diese Zeit scheint auch die Gerichtsordnung, welche Gr. Wilhelmfür die Stadt Tettnang fertigen ließ und welche von Bestrafung des Mords, derRaufhändel und der Diebstähle handelt, ausgestellt worden zu sein. Da er aufdiese Weise für die Sicherheit seiner Residenz gesorgt hatte, sorgte er auch für einenweitern befestigten Zufluchtsort für sich und die Seinigen. Hierzu eignete sich be-sonders der Ort Laugenargen, der hart am Bodensee lag, woselbst sich eine Schiffs-lände und eine dem Lande nähe gelegene Insel befand. Diesen Ort befestigte daherWilhelm gleichfalls, erbaute auf der Insel ein sehr feiles Schloß und verlegte dieMünze dahin2). Mit diesen Bauten brachte Wilhelm mehrere Jahre zu, letzterersoll erst im I. 1343 vollendet worden sein. So wurde Argen im I. 1309 nochein Dorf genannt, nach Wilhelms Tode 1354 als eine Burg in der Theilung auf-geführt.
Aber auch seine Besitzungen suchte Wilhelm zu vergrößern, wobei ihm seinVetter Gr. Hugo von Brcgenz getreulich an die Hand ging.
Im I. 1330 ließ er sich die Verpfändung der Reichsvogtei über Hirschlatt vonKaiser Ludwig bestätigen und die Pfandsumme von 100 Mk. Silber noch um wei-tere 100 Mk. Silber erhöhen. Im nämlichen Jahre erkaufte er von seinem VetterGr. Albrecht zu Werdenberg Heiligenberg, die Vogteien mit Leuten, Gütern undallen Rechten über Obermeckenbeuren und Berg^) um 100 Mk. Silber. Von sei-nem andern Vetter, Gr. Hugo zu Bregenz, erhielt er im I. 1331 zu Konstanz um200 Mk. Silber die Herrschaft Summerau mit den beiden Burgen u. s. w. Ebendieser sein Vetter Hugo überließ dem Wilhelm auch im I. 1331 die ihm verpfändeteReichsvogtei über die Stadt Wangen, welcher er auch befahl, dem Wilhelm zuhuldigen. Um diese Zeit (1330) erhielt Gr. Wilhelm auch die Burg Landau mit
H Graf Hugo, sein Vater, scheint daher die früher ihm ertheilte Erlaubniß vondem Kaiser Adolf und Albrecht, Tettnang befestigen zu dürfen, entweder nicht benutzt zuhaben, was um so wahrscheinlicher, da hier Tettnang ein Flecken genannt wird, oder aberTettnang, die Stadt, war im Jahr 1323 durch Herzog Leopold von Oestreich verstört,und die Befestigungen, mit Ausnahme des Schlosses niedergerissen worden.
2) Noch findet sich eine Stelle in Laugenargen, die auf dem Münzhof heißt. Uebri-gens finden wir hier zum erstenmal urkundlich aufgeführt, daß die Grafen von Montfortdas Münzrecht besaßen. Wann, oder von wem sie es erhielten, ist nicht bekannt, vielleichtwar es ein auf sie übergegangenes Recht der alten Gaugrafen. Daß sie es früher schonbesaßen, geht daraus hervor, daß Graf Wilhelm einen neuen Münzhof, im Gegensatzzu einem ältern, erbaute.
') Zwei Orte die früher zur Herrschaft Heiligenberg gehörten, in dem denn. O. A.Tettnang gelegen. >