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Geschichte der Grafen von Montfort und von Werdenberg : ein Beitrag zur Geschichte Schwabens, Graubündtens, der Schweiz und des Vorarlbergs / von Dr. J.N. Vanotti
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soll durch drei erkorne Richter, in wichtigeren Fällen in vermehrter Anzahl gespro-chen werden »Wer.... dem Rechten und Ußspruch nit genug täte, und nit gehorsamwolle sin, denselben ungehorsamen sond wir andern Eidgenossen wisen und gehorsammachen, mit Lib und mit Gut, by unsern Eyden, wenn wir darumb gemant wer-den, es sig mit Briff, oder under Augen". In besonders wichtigen Fällen soll eineallgemeine Zusammenkunft zu Trüns statt finden. Von zehn zu zehn Jahren sollder Bund erneuert und beschworen werden, besonders von den unterdessen Herange-wachsenen. Der Abt von Disentis nimmt von diesem Bunde den ältern, welchener mit den drei kleinen Waldkantonen, sowie Gr. Sar den mit Mailand aus. DenBundesbrief besiegelten die Grasen von Sar und Wcrdcnberg, der Abt von Disentisund die Freih. von Rhäzuns, mit ihnen der Ammann und die Freien ob dem Flim-serwald, im Rheinwald, und statt der Gemeinde Schams »der frumme JunkherrChristoffel von Rinkenberg."

Dieses ist der Inhalt des Bundes, welcher, in Oberrhätien errichtet, dieGrundlage der nachmaligen drei Bünde bildete, indem die sogenannten zehn Gerichteund die Gotteshausleute, d. i. die Unterthanen und Angehörigen des BisthumsChur, sich an den obigen Bund anschlössen.

Dieses war der letzte Akt des öffentlichen Lebens des Gr. Hugo von Werden-berg, Herrn zu Heiligenberg, Trüns und Tamins in Graubündten. Nach Johannv. Müller starb er hochbetagt im Jahre 1426 oder 1430. Joh. Ulrich v. Salisgibt das Jahr 1426 als Hugos Todesjahr an. Allein da Kaiser Sigismund imI. 1428 Heiligenberg als ein dem Reiche heimgcfallenes Lehen erklärte, damit denBrunacio de la Scala, des Reichs Hauptmann (kaiserl. Statthalter) zu Verona,'belehnte und im nämlichen Jahre dem Burgvogt zu Heiligenberg befahl, nur diesemdie Feste daselbst einzuräumen, auch in diesem Jahre Gr. Hans von Werdenberg zuSigmaringen seine Erbsansprüche auf Heiligenberg erhob, auch seine nachgelasseneGattin sich im I. 1429 als Wittwe unterschrieb, so ist wohl das I. 1428 dasSterbejahr des Gr. Hugo, mit dem die Linie der Grasen von Werdenbcrg zu Wer-denberg und Heiligenberg ausstarb. Gr. Hugo war zwar mit Agnes, Gräfin vonAbensberg, welche er im schon vorgerückten Alter geehelicht zu haben scheint, ver-heirathet, hinterließ aber keine Kinder. Heiligenberg erhielt der Stammverwandte,Gr. Hans von Werdenberg. Trüns und Tamins mit den übrigen Besitzungen inGraubündten erhielten die von Hewen, von welchen (nach Joh. v. Müller Friedrich,nach Bucellin, Peter), die Anna, eine Tochter des Gr. Hugo von Werdenberg,zur Frau hatte. Daher auch wohl die Ansprüche, die die von Hewen auf Heiligen-berg machten.

Die Wittwe des Gr. Hugo von Werdenberg überlebte ihren Gemahl nochlange, indem die Bezahlung ihres Wittums, welches auf die Grafschaft Heiligenberg