285
auch in die Nothwendigkeit versetzt, Geld zu entlehnen, welches man damals nurdurch Verpfändungen und Abtretung eigener Güter erhalten konnte. Rudolf ver-pfändete daher auch im I. 1351 an das Kloster Pfäffers um 350 Fl. (wahrschein-lich Goldgulden) einen Theil seiner schirmvogteilichen Rechte, sowie er an dasselbei» den Jahren 1358 und 1361 einige Höfe zu Flins rc. verkaufte.
Ungeachtet die äußeren Verhältnisse des Gr. Rudolf sich dadurch immer un-günstiger gestalteten, er auch im Alter vorrückte, so fand sein Geist doch keine Ruhe.Galeaz Viskonti herrschte damals mit gewaltiger Hand in dem reichen Mailand,Selbst reich und angesehen, suchte er seine und seines Hauses Macht, seinen vielenFeinden zum Trotz zu behaupten und durch neue, oft blutige und gewaltsame Er-,Werbungen auf Kosten seiner Nachbarn zu vergrößern. Zu diesem verfügte sich imI. 1362 mit einem kleinen Gefolge Gr. Rudolf. Gastfreundlich und freudig nahmihn Galeaz auf und erwies ihm große Ehre, den» es lag ihm wohl vieles daran,denselben für sich und seine Pläne zu gewinnen, da der Besitz der Vatzifchen Erb-schaft ihn immer noch zu einem der mächtigeren Herren Rhätiens machte, dessenBurgen die hohen Gebirgspässe, die aus Mailand nach Deutschland führten, be-herrschten. Ehrenvoll wurde er entlassen und zog durch das Veltlin, wohl mitneuen Plänen für die Zukunft schwanger, mit einem kleinen Gefolge nach Hause.Nahe bei Plürs fielen ihn Räuber an, iu größter Eile suchte er ihren mörderischenAnfällen zu entfliehen. Zurücksehend nach seinen Verfolgern, prallte das Pferdgegen einen Baum an, er stürzte und dieser Sturz, wohl auch das Geschoß derRäuber tödtete ihn. So starb Graf Rudolf von Werdenberg-Sargans. DenTod seines Gastfreundes rächte Galeaz Viskonti auf eine Art, welche die Rechts-pflege der damaligen Zeit beweist. Zwölf der angesehensten Bürger der GemeindePlürs berief er nach Mailand, beschuldigte sie des Mordes seines Freundes, warfsie in finstere Gefängnisse. Selbst als die Räuber später eingesungen wurden unddie Unschuld der Bürger von Plürs sich klar und deutlich herausstellte, so mußtensie doch eine bedeutende Summe erlegen, wollten sie anders aus ihrer Gefangenschafterledigt werden. Die Räuber wurden hingerichtet. Rudolf hinterließ einen ein-zigen Sohn, Johann, oder nach damaliger Sitte Hans genannt, der Erbe seinerGüter und seines Namens, welcher auch diese Linie fortpflanzte. Seine Geschichtes. unten §. 11.
Von Rudolfs Bruder, dem Gr. Hartmann von Werdenberg-Sargans, Hrn.zu Vaduz, findet man in der Geschichte wenig, außer dem, was schon oben an-gegeben ist. Im Jahre 1342 zog Markgraf Karl von Mähren (nachmaligerKaiser Karl IV.) nach Tyrol, um sich dieses Landes zu bemächtigen. Mit demGr. Hartmann von Werdenberg und dem Gr. Rudolf von Montfort schloß er einenVertrag, nach welchem obige mit 24 Helmen und 200 Mann zu Fuß ihm zuziehen